Es war abzusehen, dass die Taz es sich nicht nehmen lässt, weiter gegen die Piraten zu hetzen. Erste Titelseiten-Kollagen tauchen nun im Netz auf. Wie schon damals gegen Jürgen Klinsmann wird massivst Blasphemie betrieben. Der Vorwand lautet, darzustellen, wie das Mitglied des Bundesvorstandes der Piratenpartei - Aaron Koenig - als Märthyrer für seinen freien Geist und den der Partei leiden muss.
Aber keine Sorge, bald ist ja Ostern!
Werter Otto Mainstream, der du nichts zu verbergen hast,
du hast meine absolute Unterstützung. Im Kampf gegen das Böse, den Terrorismus und den Weltuntergang ist eine Aufweichung des übertriebenen Datenschutzes unumgänglich. Wie sonst soll der Schutz für die Bevölkerung gewährleistet werden? Du hast Recht, wer sich nichts vorzuwerfen hat, hat auch nichts zu verbergen und böse Menschen mit krimineller Energie verdienen, dass ihre Schandtaten aufgedeckt werden - mit allen technischen Möglichkeiten. Datenschutz steht unserer Sicherheit nur im Weg.
Otto, ich bewundere dich schon seit langer Zeit. Was du alles geschafft hast in so kurzer Zeit. Dein üppiges Gehalt verdienst du durch deine tollen Noten in Abitur und Studium. Die kleine Schummelei sei verziehen, spicken tut jeder mal. Du beweist Stil, wie du dein Geld investierst, dein Auto, dein Haus, deine Urlaube - manchmal bin ich neidisch. Ich ärgere mich mit dir, wenn du nach drei Runden um den Block doch nur einen Parkplatz in der dunklen Seitenstrasse findest. Neulich war ich etwas irritiert über deinen Umweg nach deinem etwas früheren Feierabend, was machst du in nach Geschäftsschluss im Gewerbegebiet?
Du könntest im Urlaub übrigens Strom sparen, wenn du deine Geräte ganz ausschaltest - in drei Wochen kommt ganz schön was zusammen, obwohl das Haus komplett leer und ungenutzt auf deine Rückkehr wartet.
Aber der Urlaub sei dir gegönnt, deine Leberwerte waren zuletzt ein wenig kritisch und ich gönne dir noch lange Gesundheit. Allerdings sieht das zu Zeit nicht so gut aus. Könnte an deiner Ernährung liegen und fehlendem sportlichen Ausgleich. Dabei bist du doch in zwei Sportstudios angemeldet.
Naja wenigstens geht deine Tochter regelmäßig zum Ballett, auch wenn ihr Kurs am anderen Ende der Stadt ist. Anbei nochmal alles Gute zu ihrem achten Geburtstag. Das Geschenk hättest du bei Amazon übrigens billiger bekommen und du hättest deine Bonusmeilen verwerten können.
Wie es scheint hast du dich von deiner kurzzeitigen außerhäusigen Verliebtheit gut erholt, du rufst Susanne gar nicht mehr an. Ich hoffe nur, dass das nicht der Grund für den gestiegenen Alkoholkonsum ist - achte bloß auf deine Blutwerte.
Achja, ein kleiner Tipp, du hast dich neulich aus Versehen bei Google verschrieben - es heißt "Bitten" nicht "Titten".
Am meisten bewundere ich dich für deine Kreativität. Diese selbstzusammengestellten CD´s mit den witzigen Collagen, sind immer wieder eine Freude in deinem ganzen Freundeskreis. Auch wie du es organisiert hast, dass zur Vereinsfeier das Fussball-Finale live zu sehen war...Toll!
Bei deinem ganzen Glück, werd ich dir nun einfach nacheifern und beim Lotto auf die selben Zahlen tippen. Wusstest du, dass unsere Geheimzahlen bei der Bank sich total ähneln?
Naja soweit erstmal, liebe Grüße von mir und denk dran, nicht wieder in der Nase bohren, wenn du an der Ampel stehst, dann fahr lieber über Rot, wie letzten Freitag.
Dein Cornelius
In wenigen Tagen schon kommt der Vierjahreszyklus zu seinem Klimax - es ist Bundestagswahl. Ich weiß endlich mal ganz konkret wen ich zu wählen hab. Mein Parteibeitritt bei den Piraten lässt mir keine Zweifel. Aber natürlich möchte ich meine Stimme auch genutzt wissen. Fünf Prozent müssen her, sprich knapp 2,5 Mio Wähler müssen ihr Kreuz an der selben Stelle machen, wie ich. Dafür muss noch mehr Wirbel erzeugt werden, potentielle Wähler erreicht werden. Das Internet leuchtet selbstverständlich orange oder auch mal schwarz. Nun gilt es offline und in der realen Öffentlichkeit weitere Akzente zu setzen. Plakate und Sticker am Strassenrand brauchen Gesellschaft. Dazu ein paar Gedanken, Ideen und Anregungen. Als werbeaffiner Mensch, Kommunikationsathlet und "Typ der Geld mit Marketing verdient" erlaube ich mir das.
1. Clubs, Cafés, Läden und andere Hotspots
Andere Parteien genießen üppige Zuwendungen verschiedener Lobbygruppen und erkaufen sich auf diese Weise maximale Präsenz. Die Piraten haben andere Asse im Ärmel: Coolnessfaktor, Sympathie und Altersdurchschnitt. Eine werbewirksame Piraten-Website, welche alle wohlgesonnenen Fraktionen aus der Überschrift auflistet, samt Verlinkung und Kurzvorstellung, darf eine Gegenleistung erhoffen. Gegenleistung in Form von visueller Präsenz. Ob hinterm DJ-Pult, über der Bar, in der Einangstür oder im Flyerständer. Die nächsten zwei Wochen sollten potentiell gewillte Lokalitäten mit Piratenmaterial ausgestattet werden und im Gegenzug online beworben werden. Eine Hand wäscht die andere UND die Zielgruppe findet die Piraten genau dort, wo sie sich gern aufhält. Und wer folgt nicht gern der Empfehlung seines Stammladens, zumindest mal über die Piraten nachzudenken.
Positiver Nebeneffekt: Auf diese Weise treten die Piraten intensiv mit Künstlern und Geschäftstreibenden in Kontakt. Die Gruppe, welche aktuell und fälschlicherweise zu hören bekommt, die PPD möchte diesen ihre Geschäftsgrundlage entziehen.
Umsetzung ist unkompliziert. Jeder Pirat kennt irgendeinen der oben Genannten persönlich und kann kommunikativ/argumentativ für diesen Deal werben.

Nachdem kongenialen Helge Schneider Konzert am Samstag, besuchte mich die reale Welt in meinem Email-Postfach. Post von einer jungen Redakteurin des NDR, genauer von der Sendung Zapp. Grund für ihre Zeilen, war ein nachmittäglicher Tweet aus meiner Hüfte:
"inoff. #Exitpoll #Saarland aufgetaucht: #CDU 31,2%, #SPD 29,1%, #Linke 19,1%, #FDP 7,5%, #Grüne 7,1%, #Piraten 4,8%, #Stg 1,1%"
Der ging um ca. 15 Uhr über den Schirm, weit vor jeglicher illegalen Wahlprognose und gänzlich frei erfunden. So finden sich starke Piraten kurz vor der Fünfprozenthürde, ohne je angetreten zu sein. Weiterhin beginnt der Tweet mit "inoff." - sprich einem Hinweis auf meinen glorreichen Erfindungsreichtum. Als einer der ersten, der das heikle Thema "Exitpolls" aufgriff, folgten RT´s, Replies und DM´s, welch geheime Quelle ich angezapft habe - und eben besagte Mail aus dem öffentlichen Rundfunk.
Ob ich für ein Interview zur Verfügung stünde und bereit wäre Fragen vor der Kamera zu beantworten. Dieser Apell an meine telegene Eitelkeit wirkte Wundern, natürlich sagte ich zu. Bin zwar nur ein kleines Licht im Zwitscherwald, aber alles für die Schau nehm ich gerne mit. Also ab zum Piratenstammtisch im Waagenbau, Wahlplakate zu Dekozweck entführen, Haare rasieren und doch gegen einen Sascha Lobo Irokesenschnitt entscheiden (das wäre doch eine Spur zu albern).
Heute morgen um zehn dann zwei Stunden Moviestar-Feeling umringt von einem Kamerateam und Jasmin K. als freundlicher Gesprächspartner. Das Plakat der Piratenpartei leider nie im Bild, wohl aber der Name im Interview platziert. Glücklicherweise mussten noch athmosphärische Aufnahmen entstehen. Dabei meine inkompetente Bearbeitung der Tastatur beim Live-Getwitter ... So konnte ich zumindest via Tweet die Freibeuter auf dem Monitor platzieren.
Kern des Interviews, war ein kritischer Blick auf die Medienhysterie um das Thema Exitpolls und Twitter im allgemeinen und Herrn Radebeul von der CDU im Besonderen. Dieser werte Jungpolitiker ließ es sich nicht nehmen, dass sein Twitteraccount schon vor 18 Uhr die Wahlprognose veröffentlichte. Die Zeiten sind schnell und der Wahlleiter schon seit Wochen nervös - müssen Wahlbefragungen etwa verboten werden?
An mir ging einfach kein begnadeter Moderator verloren und so stammel ich mich loboesk durchs Interview und twitter mir einen. Nette Abwechslung im Büroalltag und klassische Medien als Gesprächspartner - insofern hat es sich gelohnt. Mehr jedenfalls als eine 50.000 Euro Rechnung vom Wahlleiter.
Heute abend um 23 Uhr gibt es mich nun als Bewegtbild im NDR in der Sendung Zapp und ab morgen wohl auch ungekürzt online. Eins sei gesagt: Nicht alle Menschen hinter den klassischen Medien glänzen mit mangelnder Medienkompetenz und Web 2.0 Unfähigkeit - Twitter widerum wächst mir zwar ans Herz und ist dennoch nicht die Weisheit der Welt.
Ich hoffe sehr noch einmal interviewed zu werden, weil meine Prognose in der Realität eintritt:
DIE PIRATENPARTEI ZIEHT KNAPP IN DEN BUNDESTAG! Ich hoffe ich brachte sie wenigstens in den öffentlichen Rundfunk.