Eben war meine Muskulatur noch völlig entspannt, spüre ich durchs emporschnellen leichten Schwinde und verfolge sehenden Auges, wie meine Rage die Lippen verlässt. Meine Umgebung schweigt zunächst empört, dann irritiert mit dem Kopf nickend. Ich neige nicht zu Monologen, doch Fässer neigen zum Überlaufen, wenn der richtige Tropfen fällt.
"Was für ein dreckiger Bullshit!!!" schreie ich in stabiler Tonlage. Trotz fehlendem Mikro dringe ich akkustisch bis zur technisch bevorteilten Blondine am Rednerpult vor. "Was hier passiert ist ist professioneller Dilettantismus oder aber bewusste Irreführung des Volkes, zur Durchsetzung freiheitsschmälernder Instrumente!". Die Dame ist Widerspruch gewohnt, doch aktuell ob meiner Aggression nicht in der Lage fortzufahren. "Ihr könnt mir doch nicht weismachen, dass ein Staat Zugriff auf topausgebildete Fachkräfte im Nachrichtendienst, in Forschungsprojekten und Kriminalpolizeit hat, diese aber nicht zu Rate zieht...Ich glaube ihr wisst ganz genau, was ihr hier tut. Eure fadenscheinige Begründung vom Kampf gegen Kriminalität nehmt ihr euch doch selbst nicht ab" entfährt mir, ohne dass ich Luft holen muss. Erste Saaldiener bewegen sich nervös auf mich zu. "Ihr kriminalisiert unbescholtene Bürger und kastriert die Unversehrtheit seiner Intimsphäre, um ein System zu erwecken, welches völlig untauglich ist, die vorgegeben Ziele auch nur im Ansatz zu erreichen". Drei Saaldiener stoppen meinen Redefluss - das Gesicht von der Leyens wirkt massiv entrückt, ihre Augen krampfen. Auf dem unfreiwilligen Weg Richtung Ausgang finde ich letzte Worte. "Wenn es doch nur erschreckend peinliche Unwissenheit ist, dann hört uns zu. Wir sind da, wir wissen Bescheid. Aber hört auch zu was wir sagen. Wartet auf Antworten und beherzigt diese...Ansonsten verliert ihr uns immer mehr". Zum Ausgang gedrängt und in der Hektik überschlägt sich der letzte Satz etwas, doch im Publikum erster unverhohlener Applaus. Ein Mann steht auf, klatscht bedächtig und laut...Einige, immer mehr tun es ihm gleich. Der Saal steht und tobt, während sich hinter mir die Tür schließt...endlich Gehör verschafft.
Dies ist nicht der zweite Teil vom "Club der toten Dichter" kein hollywoodeskes Beispiel rührenden Happy Ends. Leider sind es nur fiebrige Einschlafgedanken eines Empörten, der sich leider noch viel zu weit weg von den Hebeln der Macht befindet, der sich dennoch einen Funken Resthoffnung bewahrt. Der hofft das seine Kinder auch in einem freiheitsliebenden besonnenen Staat aufwachsen dürfen.
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Dienstag, 24. November 2009
Sonntag, 16. August 2009
Im Dorf da ist es gefährlich
Ein Dorf ist eine Aneinanderreihung von privaten Behausungen, öffentlichen Plätzen, staatlichen Einrichtungen, Unternehmen, gemeinnützigen Vereinen, Parks und Ähnlichem. Es gibt helle Ecken, wenig einsehbare Orte, dreckige Orte vielleicht ein Rotlichviertel. Manch einer vollizieht heimlich im dunklen Keller oder auf dem Dachboden abstruse Dinge unter Umständen Verbotenes. Des Nachts können einige Flecken im Ort zu Unbehagen führen, teilweise berechtigt. In einer schummrigen Unterführung übergibt ein Kiddie einem anderen unter Gewaltandrohung sein Handy, derweil ein Familienvater im Wohnzimmer seine Frau schlägt. An anderer Stelle gibt ein Liedermacher ein Konzert und verzückt sein Publikum. Auch den kleinen Max, der heimlich Alkohol trinkt und raucht, obgleich er keine 18 Jahre alt ist. Überwiegend positiv wirkt die Dorfgemeinschaft zusammen, macht Geschäfte, unterhält sich, flirtet oder lernt. Manchmal geht es einfach nur um Müßiggang oder Spaß. Nicht alles ist erlaubt, manches nur Grauzone, einiges sogar hoch verboten. Im Idealfall greift dann die Staatsgewalt ein und unterbindet oder bestraft Verfehlungen, die eine funktionierenden Gemeinschaft schaden.
Parks im dunkeln können gefährlich sein oder ein netter Ort für ein BBQ, zum knutschen und kuscheln oder um einfach eine Runde spazieren zu gehen. In Kellern können ganze Familien eingesperrt werden oder der Vater mit der Laubsäge ein Mobilée basteln. Sogar auf hellichter Strasse kann ein böser Mensch unter Augen der Öffentlichkeit den gesetzlichen Rahmen sprengen, seinen Hund verprügeln oder eine Bank überfallen. Im Normalfall jedoch arrangieren sich alle Bewohner miteinander, stressvermeidend und unter gegenseitiger Rücksichtnahme. Und immer wieder werden Grenzüberschritte angemahnt oder verfolgt, zum Teil ohne Aufklärung und Verurteilung eines Täters. Jeder könnte Böses im Sinn haben, die meisten jedoch wollen einfach ihre Ruhe, vorankommen, Spass haben - Leben eben.
Niemand käme auf die Idee Keller oder Parks zu verbieten. Nicht einmal Gebüsche oder Rotlichviertel werden zubetoniert. Bei Verdacht auf Schandtaten jedoch wird ermittelt. Im Dorf wird nicht Buch darüber geführt, wer, wann, wo, mit wem was auch immer tut. Es gibt keine An- oder Abmeldepflichten und keiner muss seine Intimsphäre durchleuchten lassen, außer es besteht erhärteter Verdacht. Und das Wunder: es funktioniert dennoch. Obwohl ab und zu mediale Schreckensbilder gegenteiliges verheißen. Recht und Ordnung überleben im gemeinschaftlichen Konsens gelenkt und verwaltet durch die drei Staatsgewalten, gewählt und getragen vom Bürger.
Das Internet ist auch nur ein Dorf. Mit Kellern und Bordellen, mit Gebüschen und Klowänden, mit Freaks und Betrunkenen und jeder Menge langweiligen Normalos. Und ach Wunder, treibt jemand Bösartiges wird es gemeinhin erkannt und verurteilt, kommt ans Tageslicht. Auch ohne die Gesamtheit seiner Nutzer auszuhorchen, zu beschatten, auszusperren, an eine moralische Leine zu legen. Und wenn jemand ein verstecktes Neonaziforum nur für Mitglieder betreibt, kann es lange dauern bis es jemand bemerkt, ebenso wie Herr Fritzl jahrzehntelang einen heimlichen dunklen Keller für übelste Schandtaten missbrauchte.
Mögen die Entscheider, das Internet verstehen, statt es zu reglementieren. Mögen sie fähige Berater finden und vor allem ihren Anteil leisten, dass eine Gesellschaft nicht derart verkommt, dass ruhige schlecht ausgeleuchtete Plätze zweckentfremdet werden.
Parks im dunkeln können gefährlich sein oder ein netter Ort für ein BBQ, zum knutschen und kuscheln oder um einfach eine Runde spazieren zu gehen. In Kellern können ganze Familien eingesperrt werden oder der Vater mit der Laubsäge ein Mobilée basteln. Sogar auf hellichter Strasse kann ein böser Mensch unter Augen der Öffentlichkeit den gesetzlichen Rahmen sprengen, seinen Hund verprügeln oder eine Bank überfallen. Im Normalfall jedoch arrangieren sich alle Bewohner miteinander, stressvermeidend und unter gegenseitiger Rücksichtnahme. Und immer wieder werden Grenzüberschritte angemahnt oder verfolgt, zum Teil ohne Aufklärung und Verurteilung eines Täters. Jeder könnte Böses im Sinn haben, die meisten jedoch wollen einfach ihre Ruhe, vorankommen, Spass haben - Leben eben.
Niemand käme auf die Idee Keller oder Parks zu verbieten. Nicht einmal Gebüsche oder Rotlichviertel werden zubetoniert. Bei Verdacht auf Schandtaten jedoch wird ermittelt. Im Dorf wird nicht Buch darüber geführt, wer, wann, wo, mit wem was auch immer tut. Es gibt keine An- oder Abmeldepflichten und keiner muss seine Intimsphäre durchleuchten lassen, außer es besteht erhärteter Verdacht. Und das Wunder: es funktioniert dennoch. Obwohl ab und zu mediale Schreckensbilder gegenteiliges verheißen. Recht und Ordnung überleben im gemeinschaftlichen Konsens gelenkt und verwaltet durch die drei Staatsgewalten, gewählt und getragen vom Bürger.
Das Internet ist auch nur ein Dorf. Mit Kellern und Bordellen, mit Gebüschen und Klowänden, mit Freaks und Betrunkenen und jeder Menge langweiligen Normalos. Und ach Wunder, treibt jemand Bösartiges wird es gemeinhin erkannt und verurteilt, kommt ans Tageslicht. Auch ohne die Gesamtheit seiner Nutzer auszuhorchen, zu beschatten, auszusperren, an eine moralische Leine zu legen. Und wenn jemand ein verstecktes Neonaziforum nur für Mitglieder betreibt, kann es lange dauern bis es jemand bemerkt, ebenso wie Herr Fritzl jahrzehntelang einen heimlichen dunklen Keller für übelste Schandtaten missbrauchte.
Mögen die Entscheider, das Internet verstehen, statt es zu reglementieren. Mögen sie fähige Berater finden und vor allem ihren Anteil leisten, dass eine Gesellschaft nicht derart verkommt, dass ruhige schlecht ausgeleuchtete Plätze zweckentfremdet werden.
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