Posts mit dem Label Wirtschaftskrise werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Wirtschaftskrise werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 3. Mai 2009

Krise - na und?


Hin- und hergerissen zwischen den sich bietenden Katastrophenszenarien folge ich den Buchstaben, welche meine Finger in den Blog hacken. Was fürchte ich mehr, die grassierende Schweinegrippe, die nun nicht mehr so heißen soll oder das allgemeine Finanzfiasko, welches ich weder verschuldet noch auszubaden habe? Ängstigt mich der wärmste April aller Zeiten oder doch eher der Trainerwechsel beim FC Bayern, gar der Negativtrende der TSG Hoffenheim? Ich könnte auch zittern vor Terrordrohungen hirnloser Islamisten, die sich nun Deutschland widmen. Vielleicht setze ich mich einfach beherzt darüber hinweg, schlafe ein Stündchen länger, trinke einen zusätzlichen Milchkaffee und rauche verbotenerweise im Bett und genieße zu laute Gute Laune Musik.

Piff paff stolper ich durch das Internet und finder die Jungs von "Krise na und?" Lächelnd registriere ich, dass es doch tatsächlich noch Menschen gibt, die nicht nur Schwarz oder Weiß kennen, wohl aber die Schattierungen dazwischen. Vielmehr noch, möchten sie diese Grautöne einfärben, die Krise nicht einfach nur ignorieren, sondern eben als das nutzen, was sie sein sollte: Eine Chance.

Die Geschichte lehrt, Krisen sind das Beste was uns passieren konnte. Krise wirkt regulierend und ermöglicht Neuanfänge, Wissenszuwachs, Perspektivwechsel und so vieles mehr. Insofern haben sich die Initiatoren meinen Support verdient. Hoffentlich verhallt ihr Rufen nicht im Nebel der Katastrophentouristen und ihrer Bengali.

Dienstag, 21. April 2009

Wenn der Hahn kräht auf dem Mist...

...wird das Wetter anders oder bleibt wie es ist. Liebe Wirtschaftsexperten, werter Herr Sinn, hochverehrte Superspezialisten von der IFO, Helau du ZEW und auch an euch beste Grüße ihr kompetenten Regierer. Wir haben eine keine eine keine Krise, es geht auf-, ab-, auf-, ab-, aufwärts oder umgekehrt. Macht aber nichts, denn dem Volk ist es offensichtlich eh egal.

Zwei Meldungen größter Güteklasse, natürlich von SPON (wobei die natürlich nichts für ihre Lieferanten haben):

1. Es geht steil bergab (gestern)
2. Es ist so was von einer Trendwende erreicht (heute)

Was wird morgen sein? Der DAX erholt sich endgültig in Richtung Tal? Die Arbeitslosenzahl fällt auf die bisherige Höchstzahl? Ihr seid Freaks!!!

Dienstag, 7. April 2009

Opel und der Orient - Vereinigte arabische Emirate statt Iran

Teheran und Abu Dhabi trennt nicht einmal 1.500 Km Luftlinie, die Küsten beider Länder trennt der schmale persische Golf. Insofern wird meine ironische Lageeinschätzung nun von der Realität eingeholt. Arabisches Geld ist also mehr und mehr auch in Deutschlands Schlüsselindustrien willkommen, Thyssen Krupp und Daimler zeigen die Windrichtung an. Grund genug für unser Wirtschaftsminister-Küken Karl-Theodor zu Guttenberg, Tickets gen Scheichtum zu buchen und forciert das Interesse abzuklopfen. Selbstverständlich, wären iranische Investitionen weniger freudig angenommen worden. Das Böse, darf laut Kanzlerin nicht einmal unser ewiges Talent, den Mehmet Scholl im Personenverkehr, den Transrapid kaufen. Selbstverständlich ist eine jegliche Querverbindung zwischen Teheran, diversen Staatsfonds und Mittelsgesellschaften ausgeschlossen...
Nun also - inschallah - werden unter Umständen Petrodollars, in das Unternehmen gefördert, welches anders als BMW und Mercedes zumindest ansatzweise auf niedrigen Spritverbrauch setzt. Opel als Zukunftsinvest, für eine Region, welche dringend einen Masterplan für die Nach-Öl-Ära benötigt. Vielleicht entsteht auf diese Weise doch noch die Chance für einen Miteinstieg der Solarworld. Auch einem breit gestreuten Bündnis der Mitarbeiter, Opel-Händler und -Zulieferer, dem Staat und "Fans" könnte ein Engagement ermöglicht werden. Die Loslösung vom massiv kriselnden Mutterkonzern General Motors, mit fixierten Kooperationen muss in eine Adam Opel AG münden. Ohne Zweifel wäre solch ein Börsengang aktuell genau das richtige Zeichen - für Deutschland, die Weltwirtschaft und beherzten Optimismus.

Parallel rückt mit jedem Invest von Orient nach Okzident, der viel beschrieene "Clash of Cultures" in immer unwahrscheinlichere Ferne. Niemand scheisst ins eigene Nest.

Dienstag, 24. März 2009

Iranische Opel-Rettung wird konkret

Die iranische Staatsholding IFIC hat erneut ihr Interesse an dem europäischen Automobilhersteller, der Adam Opel AG bekräftigt. So soll der noch in iranischer Hand verbliebene Anteil an der Thyssen-Krupp AG, in Höhe von 4,5% an General Motors übertragen werden. Im Gegenzug trennt sich GM von einem 10%-Anteil an Opel.
Bis zum vierten Quartal des Jahres 2009 trennt sich der angeschlagene US-Konzern von weiteren 39% des deutschen Autobauers zum Fixpreis in Höhe von 3,9 Mrd Euro. Auf diese Weise erhält der iranische Staat noch innerhalb des laufenden Jahres Zugriff auf die angepeilten 49%.

Diplomatische Verwicklungen mit den USA bestehen in diesem Fall nicht. Gemeinsam mit einer bisher ungenannten deutschen Bank, wird ein Beteiligungsfond, mit Sitz in Deutschland aufgelegt. Diesem werden sämtliche iranische Beteiligungen an deutschen Firmen überschrieben. Der Iran verzichtet auf diese Weise, auf jegliche unternehmerische Eingriffsmöglichkeiten. Dies gleicht einer stillen Beteiligung ist aber wohl nötig.
Zuletzt drohte die US-amerikanische Regierung im Jahr 2005 - in diesem Fall Thyssen Krupp - mit Restriktionen auf dem US-Markt, sollte der IFIC-Anteil am Stahlfabrikanten nicht deutlich reduziert werden. Damals musste die Krupp-Stiftung zu überhöhtem Preis eigene Aktien im Wert von 406 Mio Euro zurückkaufen.

Samstag, 21. Februar 2009

OPEL wach auf...Gedanken zur Rettung



Die Adam Opel GmbH, aktuell noch vernachlässigte Tochter von General Motors, hat eine drohende Insolvenz in Sichtweite. Medien, Fachleute und Politik übertreffen sich mit theoretischen Hilfmaßnahmen bei gleichzeitiger Verstrickung in Widersprüche und Grabenkämpfe. Bei einem so traditionsreichen deutschen Unternehmen fehlt offensichtlich mein Senf und so wage ich eine Utopie.

Spricht man von Opel, sind auch knapp 27.000 Mitarbeiter gemeint, welche jährlich mit um die 330.000 Zulassungen circa 15 Milliarden Umsatz erwirtschaften. Fehlende Managerqualitäten konnten den bis zu den 80er Jahren höchst erfolgreichen Autobauer auf Talfahrt schicken, während der Eigner-Konzern GM Opel massiv auspresst und gleichzeitig am langen Arm verhungern lässt. In der aktuellen vielzitierten Krise zeigen sich die Risse im Fundament um so deutlicher. Grundgenug für eine Radikalkur mit gänzlich unorthodoxer Taktik - es gibt nicht viel zu verlieren, denn das Ende scheint in Stein gemeißelt.

Kurz und knapp zusammengestaucht fehlt es Opel zuallererst an finanzieller Liquidität, Unabhängigket vom überforderten Mutterkonzern, Innovationsspielraum und Hoheit über die eigenen Patente. Zuallerletzt natürlich auch an Absatz. Wie kann in solch verfahrener Situtaion ausgerechnet im Weltwirtschaftskrisenjahr 2009, mit einem kränkelnden Kreditmarkt Genese verschafft werden?

Krisen verlangen harte Mannöver und Aktion fern von Geplenkel. Das leite ich ein mit einer extrem optimistisch überhöhten Taxierung des Firmenwerts in Höhe von 20 Milliarden Euro - einfach um einen Startpunkt und Diskussionsrahmen zu setzen. Dazu wird von einer Realität ausgegangen, die eine kooperative Abspaltung von General Motors ermöglicht. Diese geschieht in Form gegenseiter Beteiligung und gemeinschaftlicher Nutzung von Patenten und Technologie, allerdings mit der Zielsetzung wachsender Emanzipation voneinander. Opel soll sich stabilisieren, aber nicht gleichzeitig noch die Unzulänglichkeiten im amerikanischen Automobilsektor ausbügeln.

Opel als eigenständiges deutsches Unternehmen, mit starken nationalen und internationalen Partnern und 49% Fremdbeteiligung von Außen. Veränderte Strukturen, neue Ausrichtung, stärkere Fokussierung auf die bestehenden Erfolgssegmente, mit erweiterter innovativer Produktpalette. Nur wer zahlt?

Die Bundesregierung täte gut daran, zwar den Rahmen zu bieten, sich aber nicht finanziell zu übernehmen oder gar aktiv als Unternehmer in Erscheinung zu treten. Es gilt eine Allianz der Willigen zu formieren, welche unter dem Aspekt des gemeinsam erzwungen Erfolgs in der Lage sind die Notlage und auch die Gelder zu stemmen ohne das hierbei der Wettbewerb verzerrt wird und gleichzeitig Optionen für andere insolvenzbedrohte Unternehmen entstehen - Selbstheilung aus Eigeninteresse Dritter also.

Für solch eine Rettungsaktion gibt es mehrer Mitspieler und eine Zeit die reif ist für solch experimentellen, weil jungfräulichen Felder. Diese Beteiligten gliedern sich in drei Gruppen: einerseits direkt Betroffene, desweiteren Investoren mit Schnittstellen und der Staat mit seinen Instrumenten. In der ersten Gruppe finden sich die Mitarbeiter, Käufer, Zulieferer und Autohäuser wieder. Gruppe Nummer zwei sind technologielastige Unternehmen aus gesichertem Umfeld, wie z.B. die für ihren Vorstoß belächelte Solarworld AG. Der letzte Beteiligte ist Deutschland, mitsamt der KfW.

Letzgenannte sorgen in erster Linie für die Funktionalität des Rettungsprojekts. Ein Fond muss geschaffen werden, welcher an die 5 Milliarden Euro verfügbar macht und die Grundlage schafft für weitere 5 Milliarden Kredite von deutschen Banken. Dieser Kredit wird staatlich verbürgt und entsprechend verzinst durch Opel abgetragen.

Die ersten 5 Milliarden werden wie folgt aufgebracht:
1. Sämtliche Opelmitarbeiter beteiligen sich mit jeweils 5.000 Euro Gehaltsverzicht für die nächsten 12 Monate an ihrem Unternehmen und erbringen auf diese Art 135 Millionen Euro, bei gleichzeitigem Verzicht auf Stellenabbau und Werkschließung seitens Opel für die nächsten fünf Jahre.
2. Die Autohäuser bringen beteiligen sich mit 330 Miilionen Euro am Unternehmen. Diese Summe addiert sich durch jeweils 1.000 Euro Margenverzicht pro Zulassung.
3. Opelkäufer können sich mit einer Zusatzzahlung in Höhe von 1.000 Euro beim Kauf ihres Fahrzeug am Fond beteiligen und auf diesem Wege weitere 330 Millionen Euro aufbringen.
4. Die Zulieferbetriebe erhalten von Opel einen Vorvertrag als Exklusivpartner für ihr Segment. Im Gegenzug können sie mit der Umsatzsicherheit gemeinsam bei ihren Banken 2 Milliarden Euro Kredit bekommen und sich hiermit direkt an der Adam Opel GmbH beteiligen.
5. Opelfans weltweit mitsamt ihren Clubs, sowie Privatinvestoren können sich direkt am Rettungsfond beteiligen und somit dem Unternehmen beteiligen. Auf diese Weise wären weitere 250 Millionen möglich.
6. Branchenfremde Betriebe, wie z.B. die Solarworld AG bringen sich mit insgesamt 1 Milliarde Euro ein und sichern sich neben Anteilen auch Vorverträge für gemeinsame Innovationen und Zusammenarbeit. Zielgruppe umfasst: Batteriehersteller, Energielieferanten, neue Energien etc.
7. Die KfW, welche den Fond aufsetzt und verwaltet steuert die fehlende Summe zu den benötigten 5 Mrd bei. Natürlich bleiben von den obig als Best-Case formulierten Summen realistische 50% über. Die erreichte Summe als Eigenmittel sichert den Kredit zur Zielsumme jedoch ab.

Die geschilderte Variante bringt im Laufe eines Jahres genug Spielraum, den Betrieb aufrecht zu erhalten, die Loslösung von GM einzuleiten und parallel völlig neue Geschäftmodelle, Kooperationen und Investitionsspielraum. Binnen der nächsten 12 Monate steht der Fond, welcher versehen mit Staatsbürgschaften die zweite Hälfte der zu stemmenden Summe auf dem freien Kreditmarkt ermöglicht. Opel wäre an der Krise gewachsen und innerhalb der nächsten Jahre zu einem Vorbildunternehmen gewachsen. Angepasst an die Erfordernisse der Zeit, technologisch mit Vorsprung versehen und in der Lage ihren 51% Firmenanteil wieder aufzustocken.

Soviel Utopie klingt höchst unwahrscheinlich, soll auch nur als Denkanstoss dienen. Der zu erwartenden Kritik entgegne ich, dass mein Rechenmodell zwar hinkt, aber der oben genannte Unternehmenswert ist derart überhöht, dass einiger Spielraum entsteht.Krisen gilt es zu meistern und sich entgegen zu stellen.

Sonntag, 18. Januar 2009

Krise komm kuscheln

Seit gefühlten drei Jahren werden wir medial und seitens der Politik auf Enthaltsamkeit und Katastrophen eingestimmt. Ende letzten Jahres war es dann endlich soweit, die ersten Bilder der Krise wurden gelieftert. Das theoretische Geschwurbel nahm mit den ersten Bankenpleiten und riesigen Abschreibungen erstmals greifbar Gestalt an. Doch die Distanz zu den Geschehnissen, selbst innerhalb Europas oder gar Deutschlands war und ist noch zu groß, um für den Einzelnen spürbar zu sein. Innerhalb der Medien wird daher mit Hochdruck an einem Horrorszenario geschraubt, einer Wirtschaftskernschmelze, die alles je dagewesene in den Schatten stellt.

Derweil gehen Softwareentwickler Christian und seine Frau Anne gemeinsam mit ihren Kindern Luca und Emma an der Elbe spazieren. Es war schwer einen Parkplatz zu finden für ihren Volvo-Kombi jüngeren Baujahres. Schwer weil der Elbstrand an einem Sonntag extrem bevölkerungsreich ist. Touristen treffen auf Einheimische, Cafékellnerinnen auf Hundebesitzer - Crepeduft macht sich breit und Espressomaschinen zischen. An diesem Tag werden knapp 100.000 Menschen einen Wintertag an der Hamburger Waterkant genießen. Die Krise jedoch, die bleibt gedruckt zu Hause.

Ich würde lügen, behaupte ich, die Krise sei mittlerweile nicht auch in den Gesprächen der Bevölkerung angekommen. Doch gänzlich anders als prognostiziert resultiert nicht Hysterie und Panik aus dem Wissen um schlechtere Zeiten. Vielmehr macht sich eine lang verbannte Solidarität und Reflektion breit. Menschen hinterfragen die Säulen des Kapitalismus, wünschen Gerechtigkeit und entwickeln ein neues Bewusstsein für nachhaltige soziale Marktwirtschaft, auch über deutsche Grenzen hinaus. Die prominenten Opfer verleihen dem ganzen eine seelige Empörung.

Nun steht Deutschland aktuell auch nicht am Schlechtesten da. Im Kapitalismus haben sich zuallererst die USA und Großbritannien verhoben und Halbstarke mit Pubertätsakne holen sich erste blaue Flecken (China, Indien und Russland). Wir sind weit entfernt von den fünf Millionen Arbeitslosen, die noch vor kurzer Zeit zu verzeichnen waren. Erstmals gab es reale Lohnsteigerungen für etliche Berufsgruppen, während Inflation und Deflation noch uneins miteinander sind.

Meinetwegen darf die Krise sich noch eskalativ übersteigern. Sie soll mit aller Gewalt an manifestierten Fehlentwicklungen rütteln und geltungssüchtige Entscheider in ihrer Gier kastrieren. Pervertierte Geldhäuser, welchen bei Ebay die noble Einrichtung unterm nadelbestreiften Hintern weggepfändet wird ernten kein Mitleid. Fehlgeleitete Industrien mit Verschwendungssucht können gern den Dinosauriern nachziehen.
Die größten Erfolge der Zivilisation waren mit heeren Umstürzen und Neuordnungen verbunden. Solidargemeinschaften entstehen und etablieren sich ideal unter Extrembedingungen. Parallel ist die Weltgemeinschaft mehr als je zuvor in der Lage ohne Weltkrieg und Rachefeldzüge mit solchen Verwerfungen zu hantieren. Allein hier liegt der Vorteil der Vernetzung der global Player - diese würden niemals zulassen, dass ihr Firmeneigentum nachhaltig zerstört wird (zumindest nicht durch Krieg).

Dienstag, 6. Januar 2009

Der Kapitalismus frisst seine Kinder - Merckle als Ikarus

Von Platz 94 der Forbesliste auf das Gleisbett kurz vor Blaubeuren - einer der großen Puppenspieler des Kapitalismus hat sich selbst um die Früchte seiner Arbeit, sowie sein Leben gebracht. Google verzeichnet 716.000 Treffer für den Begriff Merckle, den finalen Treffer allerdings erledigte heute, offenbar erwünscht die Deutsche Bahn. Adolf Merckle hat nach dramatischen Fehlspekulationen und innerhalb der beschrieenen Finanzkrise nur mehr den Freitod als Lösung akzeptiert. Meinerseits kritisiert gab es für den Besitzer unzähliger Firmen starke Partner und positive Verhandlung standen just kurz vor dem Ergebnis.

Nun gibt es in meinem Blog kaum Protagonisten, welchen ich mehr als einen Post widmete, Merckle jedoch war schon kritisierter Darsteller in zwei Beiträgen, mit diesem hier sogar dreien. Meine anfängliche Empörung litt mit Bekanntwerden seines Selbstmordes, allen Missetaten zum Trotz wünsche ich mir Läuterung, nicht aber Ableben von giergetriebenen Unternehmern. Insofern ist mein Mitgefühl für die Hinterbliebenen durchaus ehrlich gemeint.

Das Bild des Ikarus drängt sich auf. Wohl niemand wusste so sehr wie Adolf Merckle, um die Spielregeln des Kapitalismus. Kaum jemand konnte die Grenzen des Legalen so gewinnbringend ausreizen und bewegte sich ähnlich diskret durch nationale und internationale Unternehmertum. Die Steuerspartaktik des Merckle-Konzerns, bewegte sich immer wieder bis zu den Rändern der Legalität, während im Gegenzug sogar Grundlage für Agrarsubventionen geschaffen wurde. Der Gründer von Ratiopharm konnte pokern, wie kein Anderer und schlug besonnen und sparsam zu, während er dabei seinen Expansionskurs forcierte. Die nötigen Hintergründe zur Person sind recherchiert und bedürfen meiner Abhandlung nicht, so zum Beispiel im Managermagazin.

Während der Kapitalismus zuletzt hohen Unterhaltungswert mittels Kursturbulenzen, Währungsverfall, Ressourcenpreiskarussell und Insolvenzen lieferte, bangen mittlerweile erste Privatpersonen um ihre Existenz. Die Zahl der "Kleinen", welche in Kürze geopfert werden kann nicht unbeträchtlich sein. Das mit dem Blaubeurer Firmenmogul nun ein ganz großer keinen Ausweg mehr sieht, taugt durchaus als Drehbuchvorlage. Die unsägliche Gier und der Mut zum unkalkulierbaren Risiko trifft erstmals deutlich sichtbar ausgerechnet einen Protagonisten.

Man sollte meinen mit Milliardenwerten in Richtung zweistellig fällt ein jeder weich, doch wiegt die Schmach, die Existenz- und Versagensangst, verletzter Patriarchen-Stolz und die Angst alles zu verlieren wohl unendlich. Ikarus flog zu hoch, der strahlenden Sonne entgegen. Fehlspekuliert mit VW-Aktien nahm alles seinen Anfang, da passt die frische Information ideal: Porsche hat nunmehr die Mehrheit am VW-Konzern übernommen. Den pietätlosen Kalauer "Gute Preise - Gute Besserung" verkneife ich mir an dieser Stelle und schließe mit einem Appell an die Vernunft unserer Gesellschaft und zwar forciert einschließlich der Entscheider. Die Opfer sind schon groß genug.

Mittwoch, 31. Dezember 2008

Weltgrößtes Feuerwerk Nahost - Big Bang 2009

Statt seeliger Neujahrsgrüße und Heititei oder aber Konjunkturgejammer und Finanzpessimismus folgt an dieser Stelle meine einzig gigantische Befürchtung für das Jahr 2009, gehüllt in ein Worst-Case-Szenario. Seit Weihnachten geht es heiß her im heiligen Land. Gaza Schrottraketen werden mit geballter Offensive beantwortet. Mahnende Worte der Entscheider dieser Welt verhallen bislang ungehört. Ein Funken Hoffnung regt sich noch in mir, dass die Intelligenz obsiegen wird.

Was aber wenn nicht. Eine israelische Bodenoffensive mit brutaler Gewalt und militärischer Überlegeneheit rollt in den Gazastreifen und verstrickt sich in einen Guerillakrieg. Beide Seiten erleben heftige Verluste bei stetig verhärtenden Fronten. Israel verschiebt Truppen und die Anrainer zwingen sich tatenlos zuzusehen, ebenso die schockierte Weltöffentlichkeit. Die Luft brennt und der Druck auf Ägypten wächst, endlich seine Grenzen zu öffnen. Ägypten ein Land, dessen Bevölkerung eine Rückbesinnung auf den Islam forciert und der Staatsführung immer weniger wohl gesinnt ist.

Die Weltöffentlichkeit zuckt zusammen, während die Hamas an Popularität gewinnen. In diesem "Heldenkampf" erwacht das Urinteresse der mannigfaltigen Trittbrettfahrer und Gesinnungsgenossen. Die Hisbollah hadert nicht lange, die Fatah muss an Radikalität zulegen, während die Palästinenser sich gegen einen gemeinsamen übermächtigen Feind vereinen. Es kriselt nun nicht allein im Gazastreifen, die israelische Bevölkerung wird nervös und hektisch, während die politische Führung um ihre Macht bangt und unkontrollierte Offensiven mit Verlusten bezahlt. Die Flanken werden mehr und mehr gefährdet - der Libanon und Syrien zeigen erste Aktivitäten, auch weil es erste israelische Grenzübertritte gibt. Scharmützel häufen sich ebenso, wie blutige Attentate mitten in der zivilen Bevölkerung. Die leidenden Massen im Westjordanland begehren auf, selbst die PLO erwacht aus dem Winterschlaf.

Israel gefährdet sich selbst, Grund genug für seine Bündnispartner parteiischer zu argumentieren und eine Drohkulisse aufzubauen. Eine Drohkulisse in einer Region voll von verblendeten und cholerischen Aggressoren verschiedenster Strömungen. Die parallel existenten Krisenherde im Irak und Afghanistan beruhigen sich immer weniger, während erste Nato-Truppen-Bewegungen offenbar werden. Die Türkei nutzt das aufkeimende Chaos um seine Stellung im Nordirak zu manifestieren und die selbstgezüchtete Kurdenproblematik auf ihre Weise zu klären. Ein Pulverfass mit wahnsinnigen Beteiligten.

Selbst in der Kashmirregion erwächst eine ungekannte Anspannung. Indien und Pakistan leiden enorm unter der Weltwirtschaftskrise und ihrer unruhigen Bevölkerung. Gefahr liegt in der Luft und das mächtigste Land der Welt hat den Steuermann noch nicht gänzlich installiert. Unweit in Georgien tastet sich Russland erneut ein wenig voran, reagiert auf fortwährende Provokationen. Russland lässt sich in dieser Situation nicht groß ermahnen und spielt am ukrainischen Gashebel. Tief im aufkommenden Winter leiden die Menschen der Regionen unter kriegerischen Auseinandersetzungen, Kälte und hungernder Armut.

Es eskaliert mehr und mehr, bei angehäuften Verlusten, fallen auch sämtliche Reaktionen heftiger aus - ein Spiel mit dem Feuer. In diesem Spiel ist einer König, der iranische Präsident
Mahmud Ahmadinedschad. Dieser fiel nie durch bedachte Kommunikation und kooperatives Verhalten auf. Auch ihm droht eine Abwahl und der Ölpreis wartet im Keller. Seine Solidaritätsbekundungen und verdeckten Waffenschiebereien werden abgelöst durch immer aktiveres Eingreifen und proaktive Unterstützung. Der Westen kann und will sich nicht weiter heraushalten und widersteht der Anzahl an Provokation und Brandherden immer weniger.

Derweil kriselt sich die Weltkonjunktur immer weiter in den Keller. Die Hilfmaßnahmen und Konjunkturpakete greifen nicht. Lobbyisten beschreien den neuen US-Präsidenten. Nationale Ängste wachsen allerorts, die Politik radikalisiert sich. Auch in Deutschland herrscht verfrühter Wahlkampf.

Was hat bisher doch jede Rezession ausgehebelt, nachhaltig die Öl- und Rohstoffpreise getrieben, die Industrienationen befeuert, den Zusammenhalt innerhalb der Nationen gestärkt, Präsidenten in Glanzlicht gehüllt - ein vom Zaun gebrochener großer Krieg.
Die Region drängt sich förmlich auf. Seit Ewigkeiten gärt es in Nahost, der Boden ist nahrhaft und ölhaltig, die Krisenherde unzählbar und die global Player genießen doch eine gefühlte räumliche Distanz. Die Waffenarsenale sind voll, wie die Kriegskassen bzw. in der Zeit wo Milliarden verbrannt werden sinkt die Hemmschwelle für überproportionale Militäretats.

Ich bin kein gläubiger Mensch, doch aktuell würde ich gern beten. Beten für Besonnenheit und für ein Erstarken der gemäßigten und kompromissbereiten Kräfte. Beten gegen atomare Erstschläge und gegen die Vernichtung ganzer Nationen. Beten für ein Ende dieses religiös verblendeten und rohstoffgierigem Schwachsinn vor Europas Haustür. Dafür beten, dass wir endlich die eigentlichen Weltprobleme angehen können - gemeinsam, denn die werden uns allen noch die Hölle heiß genug machen.

Fuck for War and a happy new Year to all of you!!!

Sonntag, 28. Dezember 2008

Bang Boom Bang - Gazastreifen nun auch in Deutschland

Das Ende ist nah, der Höhepunkt aller Krisen rollt unaufhaltsam auf unser Mutterland zu. In wenigen Stunden werden minderjährige aber vollpubertäre Staatsbürger mit ihrer Bewaffnung beginnen. Mit TNT gefüllte Papprollen aus Fernost tragen sie kistenweise aus dem deutschen Einzelhandel, welcher noch so gerade eben in weihnachtlicher Meisterleistung die Rezession verschieben konnte. Der legale Waffenhandel versüßt nun noch die letzten Stunden des Jahres.

Entrücktes und grenzdebiles Grinsen in mehrheitlich möchtegern männlichen Gesichtern verheißt nichts Gutes. Die ein oder andere Flasche Wodka, Alkopops und saurer Apfel wird den Schmerz über verbrannte und abgetrennte Gliedmaße verdrängen, wenn im typischen Jahresendnebel Krieg gespielt wird. Die seelige Vorweihnachtszeit weicht Armageddon, jetzt geht es um alles. Zum Glück weiß die Industrie immer besser auf die legale Kriegstreiberei zu reagieren. Der Familienvater bekommt seine Raketenbatterie, um den urbanen Stadthimmel taghell auszuleuchten und die Sohnematze bekommen immer größere Superböller mit garantiertem Rumms-Effekt. Halblegal lassen sich weiterhin natürlich die heimlich erworbenen Gasrevolver mit allerhand Schreckschussaufsätzen veredeln, man feiert ja nicht zum Spass.

Feuerwehr und Krankenrettung wird Sondereinsätze im Akkord fahren. Ausgepumpte Mägen einerseits, angenähte Körperteile andererseits und dazwischen die Resultate aus echter Reiberei mit Hieb- und Stichwaffen, Glasflaschen und anderen sportiven Meinungsverstärkern. Der Charme des Gazastreifens direkt vor der Haustür.

Es wird wieder die Megasause des Jahres - taumelnder Übermut und berauschtes Gefeier bis zum Erbrechen. Ich persönlich halte nichts von Silvester. Überproportional häufig sind von langer Hand geplante Ausnahmefestivitäten doch meist nur teure Rohrkrepierer ohne jeglichen Mehrwert. Und die ausrastenden Menschenmassen mit zuviel Promille und Sprengkraft in ihren Händen sind mir ungeheuer. Selbst mit Hang zur professionellen Feuerwerkromantik kommt man nicht auf seine Kosten. Die Großfeuerwerke seitens der Stadt verschwinden im Billigdunst von Supermarktgeknalle.

Ein Frohes neues Jahr, stabilen Mageninhalt und fünf Finger an jeder Hand,
wünscht Cornelius

Dienstag, 2. Dezember 2008

Good old man Sachs - auch Riesen wanken

Wenn der Punch sitzt, gibt es auch für Starboxer eine blutige Nase. Goldman Sachs, das ehemalige Sonnenkind, lässt sich auf diese Weise metapherisieren. Gigantische Renditen zu Spitzenzeiten und immer Leader im Finanzteil der Presse und nun kommt die Krise ohne an der Hintertür zu klopfen, um das Jahresergebnis feinzujustieren.

Laut Spon sind "sogenannte distressed investments - schlecht oder gar nicht gesicherte Investments" einer der Gründe für den aktuellen Quartalsverlust. Schlecht oder gar nicht gesichert...wer zur Hölle setzt auf solche Projekte? Goldman Sachs soll gar eigenes Kapital auf diese Art und Weise versenkt haben, in der Hoffnung auf immer weitere Spitzenwerte. Ich spiele auch gern und gehe Risiken ein, aber schlecht oder gar nicht gesichert klingt nach Bungeesprung ohne Seil.

An dieser Gier verschlucken sich also nicht nur kleine Opferbanken, sondern auch Dominatoren - einzig und allein zu Recht. Diese Krise kommt nicht unerwartet und aus Versehen. Hier wurde hausgemachter Brennspiritus bis zum Erblinden konsumiert und nun kommt der Kater.


Klar verdienen Banken ihr Geld mit Kapital und Zinsen ... die komplette Entkopplung von der Realwirtschaft schoss nun aber weit übers Ziel hinaus. Namen sind Schall und Rauch, Goldman Sachs bald auch?

Mittwoch, 26. November 2008

Wir sind Krise - Sodom und Gomorrha erreicht Deutschland

Ich fahre meinen Rechner runter und sehne mich aktiv gen Heimat, wohliges Zuhause. Ein karges Süppchen soll die aktuelle Finanzkrise untermauern und wenigsten ein wenig Wärme in meinen Magen zaubern, die Heizungskosten spar ich schon seit Wochen. Mich trennen zwanzig Minuten vom Schließzylinder, dessen Schlüssel ich bei mir trage. Doch diese zwanzig Minuten werden überstrapaziert.

Ich taumel durch Ottensen, ein ehemals gut betuchtes Wohlverdiener, Lehrerviertel mit hoher GAL-Wählerquote und werde vom Weltuntergang überrollt. Es herrscht bürgerkriegsähnlicher Ausnahmezustand. Schreiend drängen sich Menschenmassen durch die Strassen und zwingen mich ihren aggressiv undkoordinierten Bewegungen auszuweichen. Hütten qualmen, in einigen brennt es, während johlender Pöbel seine Angst mit lautem Liedgut übertönt.

Die Welt steht still, um mich nur mehr Chaos. Selbst mein sonst stocksteifer Haspa-Bankkaufmann schiebt sich in mein Blickfeld. Sein Blick paralysiert, im Mundwinkel Schaum. Die Bankenkrise scheint schlimmer als je prognostiziert, selbst langjährige Mitarbeiter toben in der Kälte. Ungeniert wird die Untergangsstimmung genutzt, um sich ein letztes Mal einem Höhlenmensch gleich an wehrloses Weibsvolk heranzuschmeissen. Wertloses Geld wird in rotbemalte Häuser geworfen, grenzdebile Menschen reichen blutrote Becher hinaus. Hysterisches Frauenlachen untermalt die Szenerie und die Kapelle spielt ein letztes Lied...

Ich zucke irritiert, ich hab ein Deja-Vu, achja es ist Weihnachtsmarkt - Jippih. Aber diese Menschenmassen müssten doch alle zu Hause sein, in tiefer Trauer und voller Angst?

Dienstag, 25. November 2008

No Blood for Oil - Sirius Star

Mit einer Hand voll Adidas-Fussbällen, ließ sich ein nigerianisches Dörfchen erkaufen. Dieser Ort hatte den geografischen Nachteil, mitten im Erdölfördergebiet zu liegen, so dass gigantische Ölpfützen in der ehemaligen Natur dümpelten. Halbdichte Pipelines locker durch Stammesgebiet verlegt unter Inkaufnahme sämtlicher Gesundheitsrisiken für die Anrainer. Aber es gab ja Fussbälle.
Nur eine der Blutspuren, die sich im Zusammenhang mit Großkonzernen und Öl, durch den afrikanischen Kontinent zieht. Ressourcen raus, Fussbälle und Waffen hinein und Profit auslagern, das ist nach wie vor und seit Ewigkeiten, bittere Realität auf dem schwarzen Kontinent. Diverse Protestaktionen namhafter Kulturschaffender, Umweltschutzgruppen und anderer Aktivisten versuchen immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Wenn der Staat das Volk ist und im Volk kein Cent der Ölverkäufe aus ihrem eigenen Land ankommen, bleibt kein anderer Titel als Öldiebstahl.

Öldiebstahl wird öffentlich selten so genannt und noch seltener thematisiert. Außer jetzt, mit umgekehrten Vorzeichen. Da erobern ein paar durchgeknallte Kamikaze-Piraten mit der Sirius Star einen der größten Tanker weltweit und erstmals sitzen Schwarze auf der Täterseite im schmutzigen Geschäft. Sie haben ein saudisches Unternehmen, die Saudi Aramco abgezockt. Eine der größten, wenn nicht die größte Erdölfördergesellschaft, mit dezenten 450 Mrd Jahresumsatz. Wer ist eigentlich Opfer und wer Täter?

In jedem Fall zeichnet sich ein neues Zeitalter ab. Die dritte Welt kann und wird langsam zu einem unkontrollierbaren Problem, welches sich nicht in seine geografischen Grenzen zurückdrängen lässt. Der Rest der Welt spürt nun unmittelbar, wie sich unstabile Verhältnisse auch nach Außen tragen. Dieser Kontinent braucht eine Herz-Lungen-Maschine und echte Perspektive, ansonsten ist dies nur der lächerliche Anfang...