Mittwoch, 3. Dezember 2008

Artikel 22 GG: Die Sprache der Bundesrepublik ist Deutsch?

Nach der gestrigen Debatte, ließen meine Synapsen mich nicht los und zwangen mich zu immer neuen Perspektiven. Aus irgendeinem Grund störte mich der CDU-Vorstoß und die zugehörige Diskussion stieß mir sauer auf...warum?

Zeitpunkt und Absender
Der CDU fehlt es aktuell an griffigem Profil, zu sehr hat sie sich zuletzt in die Mitte der Gesellschaft gedrängt und mit der SPD um Wohlfahrtsthemen und Umweltschutz konkurriert. Das bürgerliche, konservative und rechts der Mitte gelegene Wahlvolk ist dementsprechend vergrätzt. Die Hardliner der Partei fühlen sich unterpräsentiert. Ein solcher Vorstoß wirkt zunächst unverfänglich und wird erst durch externe Reaktionen (türkische Gemeinde, GAL) inhaltlich aufgeladen. Deutsch ins Grundgesetz zu bringen, lässt sich, auch im internationalen Vergleich leicht als Selbstverständlichkeit rechtfertigen. Vom provozierten Aufschrei wird in jedem Fall gern profitiert.
Nun ist die momentane Situation Deutschlands, der Wirtschaft, der Globalisierung und weiterer Krisen heikel. Die Regierung schwimmt und die CDU wirkt an mancher Stelle überfordert und vorgeführt. Auch gilt die Union in manchen Bereichen als Mitverschulder - kein leichter Stand. Grund genug ein wenig seichte Ablenkung zu verschaffen und dennoch für Trubel zu sorgen.
Das zeitliche Umfeld spielt den Initiatoren in die Hände. Der Kapitalismus taumelt und zugleich wächst die Furcht vor islamistischen Gewaltorgien. In Deutschland selbst zeigt verfehlte Zuwanderungspolitik ihre Auswirkungen, der gemeine Bürger wirkt angespannt und unsouverän - der Trend zum aufkeimenden Nationalgefühl wirkt wieder stärker.
Der Vorwurf drängt sich auf: der CDU-Vorstoß wurde gezielt jetzt lanciert, auch auf das wahrscheinliche Risiko hin, ihn nicht gesetzlich legitimieren zu können. Die Realisation des Unterfangen ist nicht das Ziel, wohl aber der Zug zur Öffentlichkeit und der vorverlegte Wahlkampf.

Grundgesetz und Verfassung
Ich halte das Grundgesetz für eine der schlanksten und aussagekräftigsten Rechtsschriften der Welt. Ähnlich der zehn Gebote, werden hehre gesellschaftliche Ziele gebündelt manifestiert und so der Grundstein für eine funktionierende Demokratie gelegt. Gerade nach dem zweiten Weltkrieg waren die verfassten Gesetzestexte ein Meilenstein für Deutschland. Im Grundgesetz finden sich die elementarsten Regeln auf eleganteste Weise auf den Punkt gebracht. Ich stehe zu seiner Unantastbarkeit und verfechte seine Wertigkeit. Jede schlecht durchdachte Veränderung oder Erweiterung verwässert den hohen Wert nur. Der Sinn und Effekt der geforderten Änderung ist lediglich symbolisch und ohne Tragweite und allein dadurch Ballast für die Texte. Jede Urzeile bezieht sich konkret auf anwendbare und einklagbare Grundrechte - das muss so bleiben.
Zudem die Amtssprache schon quo Gesetz als Deutsch definiert wurde.

Zuwanderung und Integration
Das eigentliche Problem, was sich aus der aktuellen hitzig geführten Debatte ablesen lässt, ist das Resultat einer unausgewaogenen Zuwanderungspolitik. Dort wo Integration nicht stattfand kollidieren verschiedene Wertsysteme. Fehlende Deutschkenntnis ist nur ein Teilaspekt und gleichzeitig Ursache und Wirkung. Dieser Problemstellung muss sich von höchster Ebene angenommen werden, seitens der Politik ebenso wie direkt aus der Gesellschaft und Wirtschaft. Die Situation ist unumkehrbar, mit derzeit um die 19% Bevölkerungsanteil mit Migrationshintergrund, hilft kein Ausschweigen oder populistische Ausweisungsforderungen. Vielmehr muss die gesamte Gesellschaft unter Einbezug der Zugewanderten ein System entwickeln, welches ein friedliches Zusammenleben garantiert. Ein System in dem keine kulturelle Entwurzelung, wohl aber gegenseitiger Respekt Voraussetzung ist, ebenso die Durchsetzung deutscher Gesetze. Die nötigen Schnittstellen sind auf allen Seiten vorhanden, aufgeklärte Respektpersonen sind auch mit Migrationshintergrund existent. Diese Chancen gilt es zu nutzen, die Sprachproblematik wird sich von allein erledigen. Das Urbedürfnis eines jeden Menschen ist es seine Umwelt zu verstehen und sich gleichzeitig verständigen zu können. Ghettoisierung und Rückzug ist kein Zeichen von Stärke und Ignoranz, eher als Notwehr zu werten. Nur zu gern zitiere ich einen türkischen Forumsteilnehmer bei Spiegel online:"
Man kann eine Hand nur annehmen, wenn sie auch gereicht wird."

Deutsche Sprache und Kultur
Ich liebe meine Muttersprache mit all ihren Möglichkeiten, die sie mir offeriert. Sie taugt dazu, jegliche Sachverhalte auf tausende Weisen wiederzugeben und ist wie ein Spielzeug mit dem man sich immer neu ausprobieren kann. Größte Werke wurden und werden auf deutsch verfasst. Die Sprache der Romantiker hat Freunde weltweit und besitzt die stärksten Werbemittel: Charismaten, die sie verwenden oder verwendeten. Den laxen Umgang an mancher Stelle kann ich verzeihen, nicht aber sprachliche Missgeburten, die schwache Inhalte aufwerten sollen. Schlechtes deutsch mit lächerlichem Englisch zu paaren ist grotesker Unfug und beleidigt meine Ohren. Zusätzlich grenzt dieser Sprachgebrauch eine Vielzahl von Adressaten aus. So achte ich auf spannenden Einsatz von deutsch, auch unter Einbezug von Lokalkolorit und Slang, veredelt mit selten gebrauchtem Wortwerkzeug. Nebenbei tue ich alles dafür meine englischen Sprachkenntnisse auszubauen und spanisch zu erlernen. Sprache ist mein Schlüssel zu fremden Menschen.
Um die deutsche Sprache muss man sich keine Sorgen machen - Qualität setzt sich durch.
Die deutsche Kultur nach allgemeinem Verständnis (Oktoberfest, Karneval, Ostermarsch) ist weniger meins, dennoch kann ich mit ihrer Zelebration leben. Deutsche Kultur ist für mich aber auch Konsensfähigkeit, Friedenspolitik, Minderheitenschutz, Sozialstaat, Küchenkünste, Ingenieurskunst, Umweltschutz, Kunst und Kultur und noch so viel mehr. Das alles trägt sich um die Welt, findet etliche Bewunderer und Nachahmer. Diese Kultur wird global immer ihre Berechtigung finden - zum Glück auch ohne Grundgesetzänderung. Der deutschen Sprache wird es nicht anders gehen.

fehlgeleitete Diskussion
Was mich erzürnt ist offensichtlich. Die oben benannten Probleme werden auf dem Rücken der Sprachdebatte ereifernd benannt. Laut pöbelnd wird sich in Verallgemeinerungen übertroffen und Minderheiten vermengt. Die übliche Taktik der Sündenbockinstallation greift eben in jeder Krise. Die Stimmung ist gereizt und die islamischen Fundamentalisten haben ein Ziel ganz ohne Mühe erreicht: Wir haben Angst. Angst vor der muslimischen Bedrohung, deren einziges Ziel ist uns auszuradieren und die Welt dem Islam unterzujochen. Ich will an dieser Stelle die Angst nicht bewerten...dass im Rahmen der Grundgesetzänderung die Diskussion abscheift spricht Bände. 20% der Bevölkerung werden auf die Türken reduziert und die Türken als homogene Masse angesehen. Diese Masse macht sich breit in unserer Heimat, lebt ihren Islam aus dem Untergrund heraus und spricht kein deutsch.
Sämtliche Fakten dieser Welt können diesen Tunnelblick nicht öffnen, während aber der taktische CDU-Einwurf endlich wieder deutsches Rückgrat stärkt. Der Stammtisch lässt grüßen. Und an dieser Stelle bin ich froh, dass Ottonormalmensch nur wählen, aber nicht entscheiden darf und für Grundgesetzänderungen Mehrheiten notwendig sind. Im Zweifel gibt es ja noch das Bundesverfassungsgericht.

Dienstag, 2. Dezember 2008

Stolz auf mein Vaterland - in Deutschland spricht man deutsch

Lang genug haben uns anatolische Minderheiten auf der Nase herumgetanzt. Muslime führen sich hierzulande ja schon auf, als gälte die Scharia. Deutschland hat sich lang genug versteckt. In einigen Ecken Deutschlands denkt man ja man sei in Kasachstan oder Istanbul....

Nicht erschrecken, ich zitiere höchst unvollständig aus Beiträgen im Spiegel-Online-Forum zum Vorstoß seitens der CDU, ein Bekenntnis zur deutschen Sprache im Grundgesetz zu verankern. Ich schreibe dem Spiegel eine mehrheitlich aufgeklärte Leserschaft zu und weiß um den liberalen Geist der in der deutschen Gesellschaft manifstiert ist. Dennoch erschrickt mich die Vehemenz, mit der seit ca. 2005 für ein neues deutsches Nationalbewusstsein geradegestanden wird.

Offensichtlich umtreibt eine unerklärliche Angst einen Großteil der Gesellschaft. Angst vor Fremde, vor kultureller Entwurzelung, vor Gewalt und Kriminalität. Da passt ein schwarzhaariger Sündenbock, der Anatole, nur zu gut ins Konzept. Unbestritten gibt es in Deutschland gewaltige und stetig wachsende Probleme mit Kulturunterschieden. Diese werden durch den Zuzug weiterer "Nichtdeutscher" nicht weniger. Durch unsere geografische Lage im Herzen Europas und unsere Teilnahme an der Globalisierung lässt sich die Zeit allerdings nicht zurückdrehen. Wir sind ein Viel-Kulturen-Land, mit Platz für Minderheiten und allen zugehörigen Problemen - auch mit den brisanten, heftigen und gewalttätigen Problemen. Die Ängste sind berechtigt, lassen sich aber durch keinen einzigen Durchsetzungsversuch einer deutschen Leitkultur beheben. Eingliederung und friedliches Miteinander funktioniert nur durch Chancen und Perspektive, durch Freiwilligkeit und Fortschritt.

Eine Veränderung des Grundgesetzes brächte keine Umkehr der Verhältnisse mit sich, wohl aber Kosten und unnötigen Streit. Massnahmen zu Sprachförderung in Problembezirken auch unter Einbezug der Frauen kostet auch, bringt aber spürbare Veränderung und weniger Abgrenzung. Wer sich der deutschen Kultur verweigert, die Sprache boykottiert, Gesetze missachtet, wird nicht auf einmal durch eine Grundgesetzänderung anfangen deutsch zu sprechen. Die Forenbeiträge zeigen allerdings mit absoluter Deutlichkeit, dass alle Beteiligten einen Berg Hausaufgaben vor sich haben, bis unsere heterogene Gesellschaft ohne Aus- und Abgrenzung funktioniert.

Keine Frage, ich liebe die deutsche Sprache, bin Verächter von aufgesetztem Anglizismus um Wichtigkeit vorzutäuschen. Ich liebe es die Möglichkeiten meiner Muttersprache auszuschöpfen, deren Grenzen auszuloten und mit ihr zu spielen. Ich erfreue mich an dem Ist-Zustand von Deutsch als Kommunikationsinstrument und weiß über die vielen Wandel, die diese Sprache vollzogen hat. Von Lautverschiebung und Dialektik, hin zu Adoption vieler Fremdworte bis zur Derbheit von Slang, Jugendsprache und Vermengung all dieser Optionen.

Wie deutsch ist deutsch erfragt sich am Besten unter Reisenden, die Schuldeutsch mitbringen und sich in Sachsen, Bayern oder Friesland verständigen wollen. Es gibt nicht ein, sondern viele deutsch. Regionale und Altersunterschiede und immer auch als Instrument via Sprachcode Gruppenzugehörigkeit zu formulieren. Nicht umsonst hat sich in verschiedensten "Problembezirken" die Kanaksprak oder sonstiger Kauderwelsch entwickelt. Die deutsche Sprache lebt und bleibt so auch immer Zeitzeuge der nationalen Historie. Die aktuelle Unzufriedenheit "Überfremdeter" ist zugleich die Ignoranz über das Zustandekommen der jetzt so schützenswerten Sprache. Jüdische, französische, griechische, technische, lateinische, Englische Worte durchtränken unseren Duden völlig zu Recht.

Deutschland lässt sich schwer definieren, türkische Wurzeln sind in jedem Fall mittlerweile auch ein Teil unserer knorrigen teutonischen Eiche - Unumkehrbar. Ich persönlich fühle mich auf St.Pauli heimischer, als in Garmisch-Patenkirchen oder Cottbus. Aber das alles ist Deutschland ein buntes liebenswertes Land. Unsere größte Aufgabe ist es problematischen Minderheiten diesen Wert zu vermitteln - durch Chancen und legitimierte Anwendung deutscher Gesetze. Für ein großes Wir-Gefühl braucht es aber keine Quotenregelung im Radio oder Grundgesetzänderung. Dadurch entsteht ein völlig falscher Eindruck, nämlich der von Schwäche und fehlendem Selbstverständnis bzw. Souveränität.

Die Welt liebt Deutschland, zu Recht. Wir sind ein progressives weltoffenes Land, friedfertig und konsensfähig und zugleich mächtig und relevant. Die geschmähten und unbestritten existenten Ignoranten auch hier in der Bundesrepublik stellen, wider ihre Medienpräsenz nur eine Minderheit der Minderheit. Auch übermorgen gibt es beim Bäcker Brötchen, Semmeln, Rundstücke, Schrippen und vielleicht auch (sehr minderwertiges) Fladenbrot. Wer 2006 zur WM aufgepasst hat, dem werden fanatisch jubelnde "Türken"-Massen in Schwarzrotgold gewandt nicht entgangen sein. Die haben ihre aktuelle Heimat zahlreich angefeuert - unsere Nationalmannschaft mit deutschen Spielern, wie Nowotny, Neuville, Asamoah, Borowski, Podolski, Odonkor und einigen "urdeutschen" Namen. Deutschland lebt und verändert sich, wie in allen Jahrhunderten zuvor.
Und das ist gut so!!!

Good old man Sachs - auch Riesen wanken

Wenn der Punch sitzt, gibt es auch für Starboxer eine blutige Nase. Goldman Sachs, das ehemalige Sonnenkind, lässt sich auf diese Weise metapherisieren. Gigantische Renditen zu Spitzenzeiten und immer Leader im Finanzteil der Presse und nun kommt die Krise ohne an der Hintertür zu klopfen, um das Jahresergebnis feinzujustieren.

Laut Spon sind "sogenannte distressed investments - schlecht oder gar nicht gesicherte Investments" einer der Gründe für den aktuellen Quartalsverlust. Schlecht oder gar nicht gesichert...wer zur Hölle setzt auf solche Projekte? Goldman Sachs soll gar eigenes Kapital auf diese Art und Weise versenkt haben, in der Hoffnung auf immer weitere Spitzenwerte. Ich spiele auch gern und gehe Risiken ein, aber schlecht oder gar nicht gesichert klingt nach Bungeesprung ohne Seil.

An dieser Gier verschlucken sich also nicht nur kleine Opferbanken, sondern auch Dominatoren - einzig und allein zu Recht. Diese Krise kommt nicht unerwartet und aus Versehen. Hier wurde hausgemachter Brennspiritus bis zum Erblinden konsumiert und nun kommt der Kater.


Klar verdienen Banken ihr Geld mit Kapital und Zinsen ... die komplette Entkopplung von der Realwirtschaft schoss nun aber weit übers Ziel hinaus. Namen sind Schall und Rauch, Goldman Sachs bald auch?

Montag, 1. Dezember 2008

Einigkeit und Recht und Jammertal

Jammern, das Suhlen im Selbstmitleid unter Einbezug der größtmöglichen Menge an Adressaten, ist und bleibt eine deutsche Urtugend. Besonders gern wird diese Aktivität auf besonders hohem Niveau zelebriert, so auch akut, die ineinandergreifenden Krisen betreffend. Vielleicht ist es diese Charaktereigenschaft welche uns zum Krisenmeister macht. Im Laufe seiner kurzen demokratischen Geschichte konnte Deutschland schon diverse Tiefschläge kompensieren und auch gigantische Krisen meistern. Selbst historisch bedungene Kosten, wie die Wiedervereinigung, haben zwar einiges an Enthaltsamkeit gefordert, wurden aber nachhaltig gestemmt. Vom Wiederaufbau und Reparationskosten (mit Hilfe alliierter Mächte), über ehemals großzügige Asylpolitik, diverse Naturkatastrophen bis hin zu Entwicklungshilfe und Wiedervereinigung gab es kein Jahrzent, in dem nicht mehrere unlösbare Aufgaben zu bewältigen waren. Und jetzt soll ausgerechnet die Bankenkrise uns das Genick brechen?

Die deutsche Gesellschaft, welche ich an dieser Stelle keineswegs glorifizieren will, hat gerade in Krisenjahren gezeigt wozu sie in der Lage ist. Nicht umsonst stehen wir trotz aller politischen Irrwege, dennoch in allen relevanten Belangen im guten Mittelfeld oder belegen sogar Spitzenpositionen. Anders als Italien, England oder die großen Helden USA sind unsere Probleme überschaubar, lösbar und vor allem vereinbar mit einem Hauch Sozialstaat. Oblgeich diverse Verbesserungsmöglichkeiten bestehen und einiges schiefläuft, funktioniert doch eine Menge mehr recht als schlecht. Wenn man die beschaulichen Bodenschätze und Ressourcen berücksichtigt und unsere bescheidenen Möglichkeiten in der Landwirtschaft einbezieht, muss man sagen, dass das Potential gut ausgeschöpft wird. Selbst die Schattenseiten der Globalisierung bringen mitsamt ihren Risiken und Gefahren doch auch jede Menge Chancen mit sich. Ich sehe nicht schwarz höchsten hellgrau und ich bin motiviert meinen Teil zum Vortrieb weiter zu leisten.

Wie vergrätze ich den letzten Funken Restsympathie - BayernLB in Nehmer- und Geberlaune

An dieser Stelle sei ein gutdotierter Anstellungvertrag in einer deutschen Bank erfunden. Der Einfachheit halber setzen wir die monatlichen Kosten hierfür mit 5.000 Euro fest. Darin sind alle Lohnnebenkosten enthalten und über den Daumen bleibt dem Angestellten ein rundes netto in Höhe von 3.000 Euro im Monat. Nun beschäftige man fiktiv 5.600 Leute zu eben diesem Tarif und errechne welche Arbeitskosten in etwas unter 30 Jahren entstehen dürften - ziemlich genau zehn Mrd Euro. Für diese Summe kann man also drei Dekaden auf die Mannkraft von 5.600 ausgebildeten Fachkräften zurückgreifen, wenn man denn gesund wirtschaftet und seriöse Dienste anbietet.

Nun hecheln wir aktuell durch die Wirtschafts- und Bankenkrise. Im Markt taumeln einige angeschlagene Institute einem Axel Schulz gleich, werfen jedoch kein Handtuch. Deutschland bietet solide Aufbauhilfe und greift dem selbstverschuldeten Opfer beherzt unter die Arme. Im Falle der BayernLB mutmaßlich mit knapp 10 Mrd Euro. Richtig die Summe kommt uns bekannt vor. Die BayernLB ist dem ehemaligen Trend aufgesessen, Gewinne durch große Risiken zu generieren und hat sich dem Trend folgend verpekuliert. Zudem hat sie es vermieden den neueren Marktbedürfnissen anzupassen und geschickt aufzustellen. Nun fehlt großes Geld. Es soll nun nicht über Ungerechtigkeiten lamentiert werden. Deutschland hat entschieden, dass die Rettung seiner Banken höchste Priorität genießt, also ist dem so. Es wird geholfen werden...auch mit einer eins und zehn Nullen dahinter.

Parallel erfindet sich die BayernLB neu und will aus ihren Fehlern lernen. Nach guter Tradition sind die Fehler im System natürlich die Mitarbeiter. Zumindest lässt sich durch Entlassungen der Kostenapparat hervorragend verschlanken. So wird angekündigt, dass bis 2013 5.600 Angestellte ihre Kartons packen können und aussortiert werden. Das nenne ich Stil, zunächst wird verbockt, dann mit staatlichem Geld repariert und parallel entledigt man sich seiner Mitarbeiter. Soziale Verantwortung, Problemanalyse und Selbstreflektion werden auf diese Weise geschickt umgangen. Soziale Marktwirtschaft erfindet sich neu. Warum nur lässt sich so leicht erahnen, dass die Stammtische pöbeln werden?

Freitag, 28. November 2008

Beim Bart des Propheten ... böser Islam ist wieder da

New York, London, Madrid und jetzt Mumbai, dazwischen diverse große und kleine Anschläge überall in der Welt mit etwas weniger Medienfokus...es geht weiter. Die bärtigen Männer mit ihrer blutigen Religionsauslegung und wachsender Anhängerschar sind nicht wieder da - sie waren nie weg. Wieder einmal haben sie sich in unseren Medienapparat gedrückt und liefern bedrückendes Bildmaterial zu ihrem heiligen Krieg.

Der Westen reagiert hysterisch und verrennt sich zuallererst genau in die Diskussion, die erklärtes Ziel der Hintermänner des explosiven Schlachtens ist. Die Diskussion um den Islam und die muslimische Kultur. Der Fehdehandschuh für den Kampf der Kulturen wird gierig aufgehoben. Schnell wird das Feindbild Islam ausgemacht, sind doch die Attentäter, Selbstmörder und die Denker im Hintergrund stets bemüht gerade ihren Glauben als Kommunikationshebel zu verwenden. Unbemerkt wird unsere Gesellschaft zu Klischeedenken gedrängt und fürchtet sich vor einer unheimlichen Berdrohung, die uns an jedem Ort der Welt verfolgt.

So rückständig El Quaida und Konsorten daherkommen, so sehr sind sie doch Medienexperten und wissen ihre Nachrichten in die richtigen Bahnen zu lenken. Bildreiche Dramatik, blutrot gefärbt erreicht uns am Frühstückstisch und auf der Couch und wir gruseln uns mit einer Gänsehaut. Der Türke nebenan wirkt verdächtig, die Moschee um die Ecke beherbergt sicher auch Hassprediger und überhaupt distanziert sich kein Moslem öffentlich für "seine" Gräueltaten. Rechte Bürgerbewegungen und Parteien bekommen Aufwind und jedes muslimische Gotteshaus in Deutschland ist eines zu viel. Multikulti wird spöttelnd beobachtet und jeder Einwurf eines "Gutmenschen" zeigt nur dessen unbelehrbare Dummheit.

Leider lassen sich diese Reflexe nicht stoppen, da bringt auch ein Cem Özdemir als Grünenchef ebensowenig, wie eine mehrheitlich integrierte Minderheit muslimischen Glaubens vor Ort. Die Gefahr hat mehr Sexappeal und ist wesentlich verführerischer. Den Keil jedenfalls haben die Fundamentalisten erfolgreich getrieben und somit ihr erstes Ziel erreicht.

Donnerstag, 27. November 2008

Der Labrador mit Athroseschub - Lycos für 20 Cent

Ich erinnere mich an zugedröhnte Skandinaviar, die in Sportwagenkarawanen von Jetset-Party zu Szeneevent eilten. Sie genossen den Erfolg ihrer Internet-Megastar-Klitsche. 12 Millarden Dollar Marktwert und meistbesuchte Website Ende der 90er, eigentlich unmöglich, den Karren so an die Wand zu fahren. Nun winselt der schwarze Köter, der mich ansonsten omnipräsent aus allen Medien anhechelte. Was ein süßes Werbemaskottchen, zu Zeiten in denen das Internet ganz sicher keine Budgets für Offline-Werbemassnahmen hatte. Und jetzt gibt es die Pennystock-Aktie für knapp über 20 Cent für ein Unternehmen, welches 2007 mit knapp 700 Mitarbeitern immerhin 75 Millionen Euro umsetzen konnte. Dazu Telefonica SA und Bertelsmann als mächtige Anteilseigner. Aus dieser Position eigentlich ein schweres Unterfangen und mit üblichem Missmanagement unmöglich, das ehemalige Schlachtschiff zu versenken. Dagegen wirkt Yahoo weiterhin wie das Polarlicht.

Ich schimpfe über ein Internetunternehmen, welches schon 1994 gegründet wurde, den ersten Börsencrash überlebte und weiterhin irgendwie agierte und Umsätze generierte. Nun haben wir 2008 und die Welt überschlägt sich mit immer alberneren Unsummen für aberwitzige Web 2.0 Geldverbrenner. Nur Lycos konnte trotz 25 Mio Besucher im Monat das Ruder nicht rumreissen. Alle Trends verschlafen, viel zu unselektiert aufgestellt wirkt die Vernichtung des Projekt Lycos, wie Absicht. Wundervoll lesen sich die Zeilen im aktuellen Jahreszwischenbericht: "Aufgrund niederiger Umsatzentwicklung und sich verschlechternden wirtschaftlichem Klima wird LYCOS Europe das Kostenmanagement im vierten Quartal weiter straffen." Die böse Weltwirtschaftskrise erreicht also das Internet, Twitter und Facebook passt bloß auf.

Nun hilft kein Chappi mehr, der räudige Kläffer wird eingeschläftert. Das Gute dabei, die händeringend gesuchten Webentwickler bekommen auf einen Schlag 500 Mann Verstärkung. Willkommen Ex-Hundehalter, willkommen in der neuen Welt.

Am Rande:
Es wäre so schwer nicht gewesen sich selbst nicht nur zu retten, sondern vernünftig aufzustellen und wieder kräftig mitzumischen im Www. Das Potential war und ist immer da, die Nutzerzahlen haben eine Größenordnung von der andere aber profitable Unternehmen nur träumen.
Statt unprofiliert auf tausenden Hochzeiten zu tanzen und sich am Rattenschwanz zu überheben, hätte ein findiger Erstsemestler für Vortrieb sorgen können. Eine Holding und ausgegründete Fachbereiche, die sich neu aufgestellt beweisen müssen. Kleine Einheiten mit klaren Strukturen, die sich dennoch gemeinsam Infrastruktur und Verwaltung teilen und die schon vorhandenen Tanzstile verfeinern. Ein zwei vollkommen defizitäre und ramponierte Projekte abschreiben und es bleiben vielleicht 15 Lycos GmbH & Co KGs unter dem Dach der Lycos Holding. Jedes für sich mit Geschäftsführer, flacher Hierarchie und im Rechtfertigungs-, sowie Gewinnerzielungsdruck. Genügend Mannkraft und zu verbrennendes Kapital wäre vorhanden. Und einige Teilbereiche lassen sich samt Communitiy schnell zu einem guten Preis an kompetentere Mitbewerber veräußern. Der Weg soll ein anderer sein, schade.

Mittwoch, 26. November 2008

Wir sind Krise - Sodom und Gomorrha erreicht Deutschland

Ich fahre meinen Rechner runter und sehne mich aktiv gen Heimat, wohliges Zuhause. Ein karges Süppchen soll die aktuelle Finanzkrise untermauern und wenigsten ein wenig Wärme in meinen Magen zaubern, die Heizungskosten spar ich schon seit Wochen. Mich trennen zwanzig Minuten vom Schließzylinder, dessen Schlüssel ich bei mir trage. Doch diese zwanzig Minuten werden überstrapaziert.

Ich taumel durch Ottensen, ein ehemals gut betuchtes Wohlverdiener, Lehrerviertel mit hoher GAL-Wählerquote und werde vom Weltuntergang überrollt. Es herrscht bürgerkriegsähnlicher Ausnahmezustand. Schreiend drängen sich Menschenmassen durch die Strassen und zwingen mich ihren aggressiv undkoordinierten Bewegungen auszuweichen. Hütten qualmen, in einigen brennt es, während johlender Pöbel seine Angst mit lautem Liedgut übertönt.

Die Welt steht still, um mich nur mehr Chaos. Selbst mein sonst stocksteifer Haspa-Bankkaufmann schiebt sich in mein Blickfeld. Sein Blick paralysiert, im Mundwinkel Schaum. Die Bankenkrise scheint schlimmer als je prognostiziert, selbst langjährige Mitarbeiter toben in der Kälte. Ungeniert wird die Untergangsstimmung genutzt, um sich ein letztes Mal einem Höhlenmensch gleich an wehrloses Weibsvolk heranzuschmeissen. Wertloses Geld wird in rotbemalte Häuser geworfen, grenzdebile Menschen reichen blutrote Becher hinaus. Hysterisches Frauenlachen untermalt die Szenerie und die Kapelle spielt ein letztes Lied...

Ich zucke irritiert, ich hab ein Deja-Vu, achja es ist Weihnachtsmarkt - Jippih. Aber diese Menschenmassen müssten doch alle zu Hause sein, in tiefer Trauer und voller Angst?

Was sind 1.000 Euro? Beherztes Taumeln in der Wirtschaftskrise

Die Meldungen überschlagen sich im Stundentakt. Immer neue Instrumente und Werkzeuge zur Stabilisierung werden übers Knie gebrochen und jeder noch so unwichtige Hinterbänkler erfindet eine noch glorreichere Idee. Was sich als Gesamtsumme mächtig anhört kommt in jedem Modell als Taschengelderhöhung beim Endverbraucher an. Sollten im Best Case mit allen Maßnahmen wirklich 1.000 Euro pro volljähriger Person mehr zur Verfügung stehen, klingt das auf den Monat umgelegt höchst lächerlich. Niemand unternimmt große Sprünge und Investitionen mit monatlich unter 100 Euro. Wie denn auch wenn das Portemonnaie aus Angst zugetackert ist.

Das Gute alte Gießkannenprinzip hat uns auch nach der Wiedervereinigung eher schlechtes Glück gebracht - Cargolifter und AMD würde ich jedenfalls nicht als Erfolgsstory bezeichnen. Die Summe ist groß genug, aber sie muss punktuell für Impulse sorgen. In der Art und Weise, dass die Summe unverdünnt auf längere Sicht zirkuliert und nicht abfließt oder auf irgendwelchen Konten verschimmelt.

Die Bürger wollen Jobsicherheit, keine Taschengeldabspeisung. Die Leute wollen sicher entlohnt sein und keine Gutscheine. Arbeitsplätze halten und größere Investitionen müssen das Ziel sein. Berechtigte und kompetente Empfänger kann ich jederzeit Tausende aufzählen, die sich seit Jahr und Tag nicht scheuen Summen auch mal zu investieren und in die Hand zu nehmen.

Parallel scheint eins als Hauptproblem zu offensichtlich um ignoriert zu werden. Das wachsende Lohngefälle und ein zuschiessender Staat, wie aktuell faktisch untermauert wurde. Meine Meinung zur Linken ist sicher nicht die Beste, aber das Thema Mindestlohn kann und muss ganz oben auf die Agenda. Mit den aktuellen Milliarden kann man das sogar mit Zuckerbrot und Peitsche durchsetzen. Und nein: Friseure, Reinigungsfirmen, Gastronomien etc. werden nicht ins Billiglohnland auswandern...da sie die Leistung hier erbringen. Und es wäre ein Paradies, wenn Kellner auch mal außer Haus Essen gehen können.

Dienstag, 25. November 2008

Merkel, Mehrwert ... Steuerlos???

Wie oft zischte, raunzte oder ächzte ich ihren Namen nur mit Fassungslosigkeit, Entsetzen oder Galgenhumor - Angela Merkel, unsere erste Kanzlerin und niemals meine erste Wahl. Aber in diesem einen Moment bleibt mir nur die Zustimmung: Weltwirtschaftskrise mit gesenkter Mehrwertsteuer bekämpfen? Auf keinen Fall.

Was passiert gerade in unserem trägen EU-Machtapparat? Ich sehe nur hektische Wahnsinnige, wie nach einem gekippten LKW voller paralysierter Mastschweine. Irren und Wirren ohne jegliche Zielpeilung, während der Fahrer grinsend seinen Korn ext. Jüngst wurde die vielkritisierte Mehrwertsteuer erstmals seit Ewigkeiten, an die europäische und globale Realität angepasst (nicht angeglichen) und auf einmal soll deren Senkung Wunder vollbringen? Mit der Mehrwertsteuer haben wir die einzig gerechte Steuer im System voller Ungerechtigkeiten und Absurditäten. Immerhin orientiert sie sich als einzige am Konsum und differenziert zumindest ansatzweise zwischen Grundbedürfnissen und Wohlstandsgut. Und sie trifft den Verbraucher, den Normalbürger, wie den Superreichen nur im Moment des Vollzugs eines Handels, aber sie schmälert weder seinen Kontostand noch seinen Verdienst. In all meinen Gedanken wäre die Mehrwertsteuer der nötige Gerechtigkeitshebel, wenn sie denn intelligent ausgebaut würde. In Skandinavien, mitsamt einigen der stabilsten und bildungstechnisch erfolgreichsten Ländern Europas, funktioniert die ausgeprägte Differenzierung sehr erfolgreich. Neben zwei niedrigen Sätzen gibt es zudem eine Luxussteuer, die auf die selbe Art und Weise, nur eben auf Luxusgüter erhoben wird. Den Beweis, dass in der Oberschicht stets gebührend konsumiert wird, gleich wie hart die Zeiten sind, kann man in unseren Geschichtsbüchern nachlesen. Dekadenz aus Selbstschutz oder -zweck schiebt immer genug Taler von Süchtigem zu Verkäufer.

Die Mehrwertsteuer ist die erste Bürokratiehürde bei frischen Unternehmen, die erstmals ausreichend Umsätze verzeichnen um sie abführen zu müssen. Jegliche Veränderung gleicht einer buchhalterischen Katastrophe. Vor allem die kleineren Unternehmen benötigen neue Steuersoftware, Geschäftspapiere, Preisauszeichnung, Strukturumstellung etc.. Die Entscheider nehmen nun eine chaotische Zwischenphase in Kauf, in der Hoffnung auf große Effekte. Die Steuer soll gesenkt, nicht aufgehoben werden. Man kann optimistisch von einer Halbierung ausgehen. Plant man ebenso optimistisch ein, dass der Einzelhandel und sonstige Dienstleister und Verkäufer diese Senkung 1:1 weitergeben und weiter sämtliche Rabatte gewähren(die Erfahrung schmälern diese Hoffnung allerdings), wird alles also 10% billiger. Wow, da wird sich die Mehrheit Deutschlands von keinem oder wenig Geld knapp über 10% mehr Ware kaufen, während der Staat hechelnd in die Knie geht.

Der deutsche Konsument ist entweder verschuldet oder ein Sparer, es gibt wenig dazwischen. Aber die Lenker erhoffen sich durch diese Maßnahme eine Konsumsteigerung. Ich denke der Sparer wird sich in noch mehr Sicherheit stürzen und der Schuldner mit Chance etwas langsamer abschmieren. In jedem Fall wird der hohe Preis, den der Staat zahlt nicht in erster Linie im deutschen Binnenmarkt zirkulieren. Dass wir zuallererst geizen und lieber Billigprodukte aus entlegendsten Ecken der Welt erwerben, haben wir zuletzt kräftig unter Beweis gestellt.

Wenn der Staat Geld verbrennen will, mit der Absicht den Markt zu befeuern, muss er es in die Öfen schmeißen, die auch mit wenig Zunder auskommen. So kommt die Hitze aus vielen Öfen bei den Verbrauchern an und zwar auf breiter Front - mit Arbeitsplätzen, Investitionen, Expansionen, Eigenprojekten, Entwicklungsarbeit, Infrastrukturausbau, Maschinenoptimierung etc.
Wie das gehen soll, hab ich schon beschrieben und zwar hier!!!

Die Finanzkrise, ihre Blüten und Frau Merkel verwelkt

Die Rückenlehne des Bürostuhls auf ganz entspannt gestellt und locker durch die Onlinepresse navigieren. Ein paar Videomitschnitte angestrengter Debatten verfolgen und nebenbei erfahren, wie Wirtschaft, Banken und Regierung hinternweise am Grundeis festfrieren. Schuldzuweisung trifft auf schwarzen Peter, während die dritte Welt die erste narrt...
...und dennoch lange Schlangen am Haspaautomat, volle Weihnachtsmärkte und Geschäfte die platzen. Großes Entertainment an sich gewürzt mit der nötigen Prise Galgenhumor.

Man nehme es mir nicht übel, ich amüsiere mich sicher nicht auf Kosten all der 10.000den, welche grad um ihren Job bangen, die Fehlwirtschafter aber, die haben es sich redlich verdient renditetechnisch feinjustiert zu werden.

Warum schreibe ich nur einen kleinen Mehrzeiler, so quasi belanglos und ohne fixen Themenpunkt?

WEIL ICH DIESE WOCHE ZWAR SCHON ANGENEHME 300 BESUCHER, ABER KEINE KOMMENTARE HABE...kritisiert mich, zerreisst mich in der Luft, schickt mir einstweilige Verfügungen (>hello Herr Zwanziger) amüsiert mich, lobt mich, preist mich oder ignoriert mich...aber ich sehne mich nach Reibung.

No Blood for Oil - Sirius Star

Mit einer Hand voll Adidas-Fussbällen, ließ sich ein nigerianisches Dörfchen erkaufen. Dieser Ort hatte den geografischen Nachteil, mitten im Erdölfördergebiet zu liegen, so dass gigantische Ölpfützen in der ehemaligen Natur dümpelten. Halbdichte Pipelines locker durch Stammesgebiet verlegt unter Inkaufnahme sämtlicher Gesundheitsrisiken für die Anrainer. Aber es gab ja Fussbälle.
Nur eine der Blutspuren, die sich im Zusammenhang mit Großkonzernen und Öl, durch den afrikanischen Kontinent zieht. Ressourcen raus, Fussbälle und Waffen hinein und Profit auslagern, das ist nach wie vor und seit Ewigkeiten, bittere Realität auf dem schwarzen Kontinent. Diverse Protestaktionen namhafter Kulturschaffender, Umweltschutzgruppen und anderer Aktivisten versuchen immer wieder darauf aufmerksam zu machen. Wenn der Staat das Volk ist und im Volk kein Cent der Ölverkäufe aus ihrem eigenen Land ankommen, bleibt kein anderer Titel als Öldiebstahl.

Öldiebstahl wird öffentlich selten so genannt und noch seltener thematisiert. Außer jetzt, mit umgekehrten Vorzeichen. Da erobern ein paar durchgeknallte Kamikaze-Piraten mit der Sirius Star einen der größten Tanker weltweit und erstmals sitzen Schwarze auf der Täterseite im schmutzigen Geschäft. Sie haben ein saudisches Unternehmen, die Saudi Aramco abgezockt. Eine der größten, wenn nicht die größte Erdölfördergesellschaft, mit dezenten 450 Mrd Jahresumsatz. Wer ist eigentlich Opfer und wer Täter?

In jedem Fall zeichnet sich ein neues Zeitalter ab. Die dritte Welt kann und wird langsam zu einem unkontrollierbaren Problem, welches sich nicht in seine geografischen Grenzen zurückdrängen lässt. Der Rest der Welt spürt nun unmittelbar, wie sich unstabile Verhältnisse auch nach Außen tragen. Dieser Kontinent braucht eine Herz-Lungen-Maschine und echte Perspektive, ansonsten ist dies nur der lächerliche Anfang...

Donnerstag, 20. November 2008

Meine Risikoanlage hat sich ausgezahlt

Ein Telefonanruf beschert mir knapp 44.000 Euro. Als ich den Namen Jan S. auf meinem Display lese, gehe ich freudig an mein virbierendes Handy und muss danach breit grinsen. Ich hatte vor knapp 1,5 Jahren eine stille Beteiligung in sein junges Unternehmen getätigt. Sein Unternehmen bietet individuelle Softwarelösungen und hat Mitarbeiter in der ganzen Welt. Wider den allgemeinen Trend konnte er gut expandieren und seinen Kundenstamm massiv ausbauen - auch durch sein Alleinstellungsmerkmal, dass er 24/7-Service bietet. Durch seine Mitarbeiter quer durch die Weltgeschichte, kann er nonstop präsent sein und jederzeit reagieren, während seine Betriebsgröße so überschaubar ist, dass seine Preise unschlagbar sind.
"Bingo" sagt er, "du kannst deine Einlage satt verzinst zurückbekommen.". Er möchte wieder alleiniger Besitzer seiner Firma sein. Zuerst hadere ich mit dem Gedanken und hoffe nicht, dass ihn Misstrauen dazu treibt oder ich ihn falsch behandelte. Aber nein, er selbst möchte nun die Seite wechseln und fragt mich, ob wir gemeinsam in ein anderes Projekt investieren können und wollen. Und wir wollen, denn das klingt höchst verlockend, spaßig UND korrekt.
Zu diesem Projekt liefere ich nur zu gern die Rahmeninformation...in Kürze mehr

Mittwoch, 19. November 2008

Opel Manta mit Sonnensegel ... die Krise gebärt Wolpertinger

Mit einem PR-Coup konnte Frank H. Asbeck den Aktienkurs seiner Solarworld AG abwärts in Richtung 14 Euro treiben, nach spürbar über 40 Euro noch vor einem Jahr. Man wolle für eine Mrd Euro Opel kaufen und vom Mutterkonzern GM lösen, wenn man denn eine Mrd Kompensationszahlung für die deutschen Arbeitsplätze von GM bekommt. Klingt abstrus, birgt aber ein gewisse Logik, wenn man verfolgt, wie viel teurer eine anderweitige Abwicklung und weitere zeitliche Verzögerung kommen würden. GM würde sich ohne weitere Kosten von Opel bzw. seinen deutschen Mitarbeitern entledigen und wäre ein stückweit handlungsfähiger, vor allem wenn Bush featuring Obama versprochene Hilfsleistung für einen ihrer wichtigsten Konzerne leisten.
So überraschend der Vorstoß anmutet, so unwahrscheinlich ist die Realisation, wenngleich es vielleicht das richtige Zeichen zur Unzeit wäre: Quasi-Öko rettet Karteileiche mit Verbrennungsmotor. Der Aktienmarkt straft jedenfalls schon, bevor konkrete Entwicklungen oder nur Gespräche stattfinden und Fachleute unken allerorts.

Warum lasse ich mich auf diese Thematik ein?
Der Bezug zum Blogtitel oder großer Eigenbezug und/oder meine Meinung wird nicht hergestellt, doch werte ich die aktuellen Entwicklungen am globalen Wirtschafts- und Finanzmarkt gerade auch aufgrund solcher Vorstöße etwas differenzierter als im gängigen Medienpool kolportiert. Wo die Majorität den Weltuntergang vorhersehen, erkenne ich Chancen und Möglichkeiten. Die verknöcherten Strukturen globaler Märkte dürfen und müssen mit allen Konsequenzen aufbrechen. Parallel verschieben sich mit Chance die Kapitalströme wieder hin zu tragfähigen Geschäftsmodellen frei von virtuellen Seifenblasen.
Opel kann egal welcher Wechsel im betriebswirtschaftlichen, finanziellen und auch philosophischen Bereich nicht Schaden. Viel zu lang fehlten in jedem Bereich, zuallererst bei der Fahrzeugflotte, sinnvolle und progressive Impulse. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Solarworld-Vorstoß von Erfolg gekrönt sein sollte, meinen Glückwunsch. Der nötige Reformansatz ist durch die Zusammensetzung der Unternehmen garantiert.

Dienstag, 18. November 2008

I want to be in Nigeria... Fahrlässigkeiten und Kapitalschwund

Mit genug Dreistigkeit und lässt sich gutes Geld verdienen. Von blumiger Fantasie über Reaktionsschnelligkeit bis hin zu einem kompromisslosen Masterplan gibt es etliche Möglichkeiten zu großem Geld zu kommen. Offensichtlich gibt es eine sehr willige, lern- und beratungsresistente Opferklientel, die sich nur zu gern auf Großgauner und Kleingangster einlassen oder eben eine breite Flanke öffnen.

"Oh vor Afrikas Küste ist es gefährlich, dann schicken wir doch einen Supertanker der neuesten Generationen dort vorbei, mit 25 Zivilisten an Board." mag sich die nun zwangsbeliehene Reederei gedacht haben, als sie die Sirius Star auf die große Reise mit Pausengarantie schickten. Nun tuckern ein paar guttrainierte Piraten frei von großer Todesangst mit 25 Geiseln durch die See und können quasi unbehelligt schalten und walten. Es wird sich schon ein korrupter Küstenstaat finden, der sich erkenntlich zeigt.
Dabei wollte doch einfach nur viel viel viel mehr Öl in nur einem Tanker transportiert werden - zwecks Gewinnmaximierung.

Eine Spammail und 400.000 Euro schulden. Mit altbekanntem Rezept - blumig angewandt - lassen sich in den USA, einer Krankenschwester (!!!) 400.000 Dollar aus den Rippen leiern. Intervention seitens der Bank, Freunden oder ähnlichen Instanzen finden halbherzig statt und Gier und Naivität, vernichten den ursprünglichen Traum einer gemütlichen Rente. So ein selbstmörderisches Finanzgebahren, wäre in jedem Staat der Welt unmöglich. Fürsorgepflichten einerseits und Bonitätscheck andererseits, würden zumindest die Schadensbilanz bei soviel Dummheit massiv reduzieren. Aua.

300.000 Euro Wert lassen sich in Schmuckform in einem handlichen Koffer verstauen. Praktisch und bequem kann man diese dezente Summe quer durch Deutschland transportieren. Am Besten mit der deutschen Bahn - im ICE. Statt der gewohnten Entgleisung, durch Metallverschleiß, gab es Metallverlust. Kein Raubüberfall sondern laxe Fahrlässigkeit, haben einen Schmuckhändler schockgefroren. Auf Sitzplatzsuche, musste der Koffer im Gang und in Türnähe warten. Klunker to Go - for free.

Vielleicht sollte man viel öfter mal dreist sein, es wird in jedem Fall ein dankbares Opfer geben. In jedem Fall sollte ein jeder, gerade bei größeren Wertbewegungen, noch ein zweites Mal nachdenken...Denken hilft!
Wobei Adolf Merckles Leerverkäufe und ein potentieller Geschäftserfolg über Spammail, ähnliche Erfolgsgarantien aufweisen - für falsch gibt´s viele Wege.

Merckle, Merkel, Misserfolg

"Vorerst habe die Familie einen Überbrückungskredit im Blick. Erst danach werde man sich Gedanken machen, wie die Schulden verringert werden könnten."
Ich fiebere dem Tag entgegen, an dem ich diesen Satz an meine Hausbank richte und auf Verständnis hoffen kann.

Ich bin merkbar irritiert, wenn ich lesen muss, dass Oettinger samt seiner Regierung prüfen, ob und wie eine Staatshilfe für Adolf Merckle bzw. sein Firmenimperium aussehen kann. Zu einem Zeitpunkt wo es auch heißt:
"Ein Antrag auf eine Landesbürgschaft wurde nicht gestellt." Scheinbar vernichtet die große böse Banken-, Kredit- und Finanzkrise jeglichen Rest-IQ bei unseren politischen Entscheidern. Vorauseilender Gehorsam, um dem fünftreichsten Mann Deutschlands Brandsalbe anzurühren, nachdem er sich die Finger höchst fahrlässig verbrannt hat.

Wenn der Trend anhält, werden wir eine Wettbewerbsverzerrung sondergleichen erleben. Selbstverschuldetes Finanzfiasko gepaart mit ausreichend Unternehmensgröße, sorgt für unverhofften Startvorteil durch staatlichen Finanzfluss. Seriös geführte Unternehmen, mit Bewusstsein für organisches stabiles Wachstum und ohne stete Übererfüllung einer Maximalrendite um jeden Preis, sind die angeschmierten. Den Einwänden, es ginge ums Gemeinwohl und ohne diese Hilfe wäre der Steuerzahler und Staat umso härter gertoffen, muss ich widersprechen. Eine solche Fehlentwicklung und verlässlicher Rettungsschirm von Staatsseite, sorgen für wenig bereinigende Genese und züchten nur den nächsten Wahnsinn.

Montag, 17. November 2008

Gute Preise, Gute Besserung - Ratiopharm featuring VW

SPON sei Dank, ziehe ich heute folgende Information (als Leseservice, stark verkürzt) aus dem Netz:

"Der 74-Jährige Adolf Merckle habe auf fallende VW-Kurse gesetzt und ebenso wie andere Fachleute verloren. Unterschiedliche Angaben sprechen von 400 Millionen bis rund eine Milliarde Euro möglicher Verlust.


Merckle wird im Ranking des US-Magazins Forbes mit geschätzten 7,3 Milliarden Euro auf Rang 94 geführt und gilt eigentlich als gewiefter Investor. Merckles Firmenimperium (Ratiopharm, HeidelbergCement, Phoenix Pharmahandel, VEM Vermögensverwaltung), erwirtschaftet knapp 30 Milliarden Euro. HeidelbergCement ist wohl mit über zwölf Milliarden Euro verschuldet, daher sehen Fachleute Bedarf an Eigenkapital.

Um das Finanzleck zu stopfen, verhandle Adolf Merckle mit einer Gruppe von fast 40 Banken über einen Überbrückungskredit für eine Beteiligungsfirma.
Laut Spekulationen könnte er sich von Ratiopharm trennen. Die erhofften fünf Milliarden Euro erscheinen aktuell allerdings wenig realistisch."

Parolen gehören an den Stammtisch und Glücksspieler in Therapie, aber was soll ich von solchem Artikel halten? Da verspekuliert sich ein vermeintlicher Experte und Finanzgigant mit zu viel Risiko und plant diesen Verlust mittels Kredit abzufedern. Egal an welches Bankgespräch ich mich zurückerinnere, meine Berater hätten verwirrt gelächelt und mit irritierter Ablehnung reagiert.
Ich werde ab jetzt jeden Tag schwarz fahren, um Geld zu sparen. Für den Fall das ich erwischt werde, leihe ich mir das Geld von meiner Oma, auch um die Telefonrechnung für NeunLive zu bezahlen.

Was gerade passiert ist doch Wahnsinn. Möge der freie Markt tatsächlich alles regeln. Ich wünsche mir eine bereinigende Kraft, die all diesen irrwitzigen Schwachsinn finanziell entwaffnet und noch einigen großen Gierschlündern das Maul stopft. Als Bauernopfer, dürfen verlorene Arbeitsplätze gern staatlich aufgefangen werden und in Unternehmen eingegliedert werden, die mit Vernunft und Bewusstsein geführt werden. Liebe Krise herzlich willkommen, bitte gleiche einer Feuerbrunst, die viel frischen Boden hinterlässt.

Sonntag, 16. November 2008

Sexshop und Staatssicherheit ... Wikipedia quo vadis

Ich maße mir nicht an eine relevante Meinung zu Lutz Heilmann zu haben. Dafür ist er mir als Person weder privat noch politisch oder anderweitig ein Begriff. Ich wüsste nicht aus welchem Grund mich ein Parteimitglied von "die Linke", der über Schleswig-Holstein im Bundestag sitzt, interessieren sollte. Dennoch schwirrt sein Name nun durch allerhand Onlinemedien. Die stark frequentierte Seite Wikipedia.de ist durch Intervention Lutz Heilmanns temporär gestoppt und teilt nur mehr Informationen über die einstweilige Verfügung mit.

Für Personen öffentlichen Interesses (wie auch immer das zu definieren ist), ist Wikipedia nicht zwingend nur digitale Streicheleinheit. Wie überall gibt es auch auf Wikipedia keine absolute Wahrheit zu finden und warum zur Hölle ist es von Interesse über einen Sexshop egal welcher Person zu erfahren? Die Vermengung von Privatleben und Öffentlichkeit findet hier nicht zum ersten Mal ihren Weg ins Internet. Ich persönlich hätte auch kein gesteigertes Interesse sämtliche Fehltritte der Vergangenheit, jeden Schatten meines Lebenslaufes und zugespitzte Halbwahrheiten oder Unwichtigkeiten über mich im öffentlichen Raum zu lesen. Nun bin ich nicht sonderlich prominent, die Gefahr besteht auch nicht. Und man könnte argumentieren, dass derjenige der Öffentlichkeit sucht, auch deren Schattenseite zu ertragen hat. Wobei Lutz Heilmann nun nicht einmal in die Kategorie C-Promi einzuordnen ist.

Nun ist das Internet ein riesiges Schlüsselloch. Exfreundinnen samt pikanter Details finden sich ebenso, wie heimliche Fotos eines Aussetzers beim Saufgelage vom letzten Wochenende. Fraglich ob das bloße Vorhandensein, solchen Datenmülls auch zu vermehrter Betrachtung führt. Faktisch wird im Zuge der einstweiligen Verfügung ein weit größeres Publikum auf Lutz Heilmann aufmerksam geworden sein. Die fraglichen Informationen ziehen nun weit größere Kreise. Zumindest konnte er für sich ein Zeichen setzen, ob er einen Vorteil daraus ziehen wird ist strittig.

Was darf Wikipedia? Inwiefern können Persönlichkeitsrechte geltend gemacht werden? Wie argumentiert sich das Recht der Web-Gemeinde, jedwede Informtaion (wahr oder unwahr) über jeden noch so unwichtigen Promi zu streuen?

Böse Schäuble Konterfeis zieren deutsche Großstädte und landauf landab, wird gegen Datensammlung und für Datenschutz demonstriert, während auf anderer Seite gerade das Web 2.0 den Datenschutz mit Füssen tritt. Schizophrene Situation, in diesem Fall gesteigert durch das Mitwirken eines ehemaligen Mitarbeiters der Staatssicherheit. Ich erlaube mir keine Meinung zu diesem Thema und erfreue mich meiner Unwichtigkeit.

Freitag, 14. November 2008

Arbeit schafft kein Verdienstpolster...

Üppige Taler lassen sich, wie schon beschrieben, mit Stundenlohn nur schwer verdienen. Die jüngste Vergangenheit straft auch alle Aktiengewinnversprecher und sonstige Fond-Scharlatane lügen. Wie aber schwimmt man sich aus eigener Kraft frei, wie korrigiert man seinen Kontostand auf positive und korrekte Art und Weise, ohne sich selbst auszubeuten?

Es ist kein Kinderspiel, aber mit noch größerer Sicherheit auch keine Unmöglichkeit. Allerdings kommt man nicht umhin, ein wenig Zeit zu investieren. Zeit, die aber nicht als Belastungsprobe und aufreibende Aneinanderreihung unangenehmer Gegebenheiten zu sehen ist.

Mein wohl größtest Investment der vergangenen Jahre wurde in der Währung Qualitätszeit getätigt. Unzählige Kommunikationsanlässe gepaart mit Koffein, Nikotin und Alkohol, um die bösen Dinge zu benennen. Aber auch kulinarische Kalorienpakete, Entertainment, Kultur und Musik dienten als Kulisse für unverfängliche Kontaktanbahnung. Kontaktanbahnung klingt ein wenig nach Drückerkollonne, ist aber wesentlich relaxter zu werten. Von Anfang an hab ich mein Netzwerk aus Menschen gestrickt, mit denen ich auch "privat" gern Gedanken tauschen und Zeit verbringen würde. Damit dieses Netzwerk organisch wächst und zudem unverkrampft und authentisch entsteht, muss jeder Zuwachs völlig wertfrei und unverbindlich beginnen, mit Fokus auf den eigentlichen Moment.

So entstanden wahre Freundschaften, ehrliche Kollegen und aufrichtige Kontaktpunkte, oft lang bevor auch nur der erste geschäftliche Vorteil entstand. Viele aus dem Netzwerk lassen sich nur schwer wirtschaftlich bewerten und genau dort liegt kein Interessenskonflikt. Etliche Male ging ich in Vorleistung, teilweise gar mit einem Minusgeschäft oder Uneigennützigkeit. Viele Menschen trifft man unzählige Male, mit wachsendem persönlichen Interesse, ohne auch nur einen direkten Vorteil abzugrasen. Zwischenmenschlich und vom Wissens- wie Perspektivzuwachs allerdings sind auch diese Kontakte unbezahlbar. Nach einiger Zeit, vielen Gefälligkeiten, diversen gemeinsamen Momenten etc. macht es auf einmal Klick. Der Erfolg klopft an der Hintertür, über diverse Ecken erscheint ein neues Gesicht auf der Bildfläche und wie sich später herausstellt, nur auf Grund eines Kontaktes, der nen Freund hat, dessen Onkel...

Und auf einmal zahlt sich dieses Investment zigfach aus. Meist kann man sogar Vorteile innerhalb des Netzwerkes weiterreichen, weil Anfragen zu groß oder artfremd sind. Schon ist man Mittler und zugleich Beteiligter und profitiert eher nebenläufig. Ich habe in meinem Leben zu keinem Zeitpunkt Akquise betreiben müssen, man kennt sich. Im Zweifel weiß man, dass Cornelius den richtigen Ansprechpartner kennt, die richtige Adresse weiß oder beim Bier den relevanten Geistesblitz zuprostet und umgekehrt.

Das klingt in manchen Ohren vielleicht nach oberflächlichem Heititei ohne Substanz und zwischenmenschlicher Prostitution. Das Gegenteil ist der Fall. Nur zu gern hab ich die Chance genutzt, exakt mit den Leuten in Kontakt zu kommen, die mir gefallen, sympathisch erscheinen, Kontraste oder Ähnlichkeiten bieten oder anderweitig interessant sind. Mittlerweile gibt es dann auch Berührungspunkte nach ganz oben oder ganz unten, in Richtung Underground genauso, wie zur Promi- oder besser Kreativenszene, weil man doch immer schon den einen oder anderen kennt. Wie ein Schwamm sauge ich Wissen, Ideen und Philosophien in mich auf und erweitere meinen Horizont. Dabei ohne Mühe frei vom Zwang einen Kontakt verwerten zu müssen, das passiert automatisch nebenbei oder eben nicht.

Die Zeit ist knapp? Für solche Sperenzchen hat man keine Zeit? Es fehlt das Ego sich unter Menschen zu mischen, die vielleicht "wichtiger" sind? Sehe ich anders. Jeder Unternehmer, Selbstständige oder Freiberufler verwendet einen Großteil seiner Arbeitswoche mit Kontakten, Akquise, Kundengesprächen, Angeboten, Kostenvoranschlägen und sonstigen oft vergeblichen Mühen. Ich erfahre die Welt, besuche Kulturveranstaltungen zur Arbeitszeit, esse lecker und gut und reise viel...

Aber natürlich ist das Typsache. Ich liebe das Leben und die Welt und komme so voll auf meine Kosten und nebenbei verkaufe ich indirekt das was ich am Besten kann: Ideen, Kommunikation und Kontakte.

Mittwoch, 12. November 2008

Konjunkturprogramm - konkret am Markt vorbei

Allerorts zitiert die Tagespresse politische Hilflosigkeit, die aktuelle Krise auszuhebeln. Nicht das mir persönlich eine neuartige Krise aufgefallen wäre - die Cafés sind voll und am Geldautomaten vor mir, die übliche lange Schlange. Ein Gang ins Einkaufszentrum beweist keine gehemmte Kauflust. Offensichtlich ist die Krise beim "Normalvolk" nicht angekommen. In der unteren Etage der Gesellschaft dürfte sogar eher ein wenig Druckreduzierung angekommen sein, immerhin fallen erstmals wieder Preise für Lebensmittel und Öl, auch wenn ohne Budget natürlich auch nichts günstiges erstanden werden kann. Dennoch hat sich die Lage nicht wirklich dramatisiert.
Was machen denn meine Lehmann-Zertifikate und andere Derivate? Ach, ich hatte gar keine und mein Mitleid für "die da oben" hält sich doch stark in Grenzen. Ab einer Million Kapital ist auch bei spürbarem Beschnitt noch viel Polster vorhanden. Und ja, auch Otto-Normal-Sparer, der in Risikopapiere investiert und sich auf 20% Rendite verlässt ohne diesen Glücksgriff zu hinterfragen, erntet nur begrenztes Mitgefühl.
Doch darum soll es an dieser Stelle nicht gehen. Wir haben ja eine große Koalition, welche progressiv durchregieren könnte. Diese verstrickt sich in krude Lösungsansätze, mit fraglicher Erfolgsaussicht. KFZ-Steuer für Neuwagen senken oder entfallen lassen, soll die Wirtschaft ankurbeln - so so. Dazu Bauinvestitionen im öffentlichen Raum - ich seh das neue Wirtschaftswunder nicht wirklich. Im 16-Punkte-Programm der Regierung sind Meilensteine, Originalität und wirkliche Impulsgeber Mangelware. Dabei möchte ich die Summe von 23 Milliarden in drei Jahren nicht madig machen - in dieser Größenordnung wären große und kleine Schritte möglich. Doch fließt das Geld ausgerechnet in die Bereiche, die sich von Krise zu Krise hangeln und Selbstreinigungskräfte seit Jahrzehnten ignorieren. Bei innovativen, flexiblen und frischen Unternehmen, die sich wider die Gegebenheiten nach oben boxen, kommt hingegen nichts an. Hier meine ich explizit all die Unternehmergeführten Kleinbetriebe und den Mittelstand, insbesondere die Firmen, die sich seit Jahren und gezwungenermaßen mit der Marktsituation arrangieren.
Ich kenne nicht wenige Firmchen und Unternehmen aus dem Dienstleistungs-, Medien-, Kreativ- und IT-Sektor kommen. Allen zu eigen ist ein Umsatz zu Gewinn Verhältnis von 20:1 bis hin zu 3:1, bei stetiger Expansion und Stellenausbau. Weiterhin gemeinsam haben diese Firmen, eine höchstanstrengende Bank- und Bürokratiesituation. Basel 2 erschwert jegliches noch so aussichtsreiche Kreditgesuch und da die meisten Firmen kleinere Kredite benötigen fühlt sich kaum eine Hausbank dazu berufen, den Aufwand zu stemmen, ihnen Kredite zu gewähren. Dem Gegenüber steht ein unflexibler Staat, der jeglichen Bürokratieaufwand auch auf kleinste Betrieb abwälzt. Die Festanstellung einer Teilzeitkraft erweist sich auch bei guten Geschäftszahlen, als mittelschwerer Akt, der in jedem Fall Zeit und Geld kostet.
Nur mal angenommen, der Staat nähme 5 Mrd seines Pakets für Betriebe unter 20 Angestellten. Diesen stellt er für eine Neueinstellung, eine neugeschaffene Azubistelle oder eine zu begründende Sonderinvestition jeweils 30.000 Euro zur Verfügung. Auf einen Schlag wären 166.666 deutschen Betrieben völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Eine Sicherheit ist gewiss, dieses Geld landet auf kürzestem Wege im Wirtschaftskreislauf und zwar dort unten wo keine Sparquote es sofort wieder dem Markt entzieht oder sofort Großteile im Ausland verschwinden.
166.666 Unternehmen - von der kleinen zwei-Mann-GbR, über den Kleinunternehmer bis zur mannstarken GmbH, egal ob grad massiv unter Druck oder wider den Trend höchsterfolgreich. 166.666 Unternehmen, die zu ihrem erarbeiteten Kapitalstrom Luft für weitere Schritte bekommen. Das Geld wird verbrannt, aber die Hitze wird einiges Wasser zum kochen bringen.
30.000 Euro klingen nach Kleingeld. Wer sich die Mühe macht und all die Einzelkämpfer und kleineren Unternehmen bei Xing befragt, wird schnell bemerken, dass 30.000 Euro ein sehr spürbarer Prozentsatz ihres Jahresumsatzes sind und mit diesem zusätzlichen Mittel, jede Menge Möglichkeiten entstehen.
Der Staat will Sicherheit? Kein Problem, dann taugen deutsche Steuerdaten, schwarze Schafe, Steuerkriminelle, Betrüger, Pleitegeier und ähnliche von vornherein auszusortieren. Auch tut der Staat gut daran dieses Geld nicht für StartUps (für die gern anderweitige Unterstützung) zu blasen, sondern eben die Unternehmen zu entlohnen die sich zumindest drei Jahre bei steigenden Umsätzen am Markt bewiesen haben. Die in Frage kommenden Unternehmen, wissen mit Geld und Wirtschaftssituationen umzugehen und sind mit Sicherheit gewillt, weiter zu wachsen, nach oben zu kommen, einzustellen, zu investieren und auch mal etwas zu experimentieren.

Leider nur sind Politiker von diesen Selbstständigen soweit entfernt, wie Bush vom Iran. Was dort unten passiert bleibt vielen ein Rätsel. Menschen die sich für ein teilweise schüchternes Nettoeinkommen aufreiben und in Überstunden stürzen erscheinen nicht auf der Agenda. Schade, vielleicht doch besser wieder Kohlepfennig...

Mittwoch, 5. November 2008

Niederlage mit Würde und Sieg in Demut - Obama vs Mc Cain

Gleich falle ich elektrisiert ins Bett - nach einer langen Wahlnacht und zwei beeindruckend aufrichtigen Reden kein Wunder. Die Wahl in den USA ist endlich in einer eindrucksvollen Entscheidung gemündet. Zurück bleibe ich, als kein großer A
Nord-Amerika-Fan und bin doch fasziniert von der gelieferten Rhetorik. So sehr meine Präferenz feststand, der meinerseits höchst unbeliebte John Mc Cain hat seltene Größe bewiesen und wider alle Erfahrung bestmögliche Worte gefunden um eine historische Wahlentscheidung zu formulieren. Selten oder besser nie meistert ein Gescheiterter so bravorös den Moment seiner Niederlage - Chapeau.
Es folgt der neue Hoffnungsträger und beweist, warum die Menschen seinen Worten erliegen. Hier finden hehre Worte ihren Meister - beeindruckend! Und trotz aller Skepsis bin ich geneigt seiner Rhetorik zu erliegen. Zu glaubhaft zelebriert er seine Performance.
Welch Worte könnte der scheidende Präsident hier noch anfügen. Seine Redekompetenz muss ihn eher zum Schweigen zwingen. "Hier ist der Schlüssel, ich hab Mist gebaut - Tschüss!" - mehr dürfte George W. Bush nicht mehr sagen, jetzt ist Zeit für große Momente.
Der Vergleich ist irrwitzig, doch mein Argument pro Schlafverzicht galt den Liveerlebnissen. Ich glaube an die Geburt eines selbstbereinigenden und wohlwollenden Landes und wage es diesen Moment mit dem Fall der Berliner Mauer zu vergleichen. Allein die letzten acht Jahre Inkompetenz und globaler Tyrannei lassen diesen Augenblick so gülden strahlen. Ich bin Zeuge einer großartigen Wende und all die Skeptiker und Pessimisten werden sicher ein Stück weit recht behalten. Die Welt dreht sich nun nicht andersherum und auch Obama wird sich selbst entzaubern...und doch:
Es war der einzig mögliche Wandel, der sich heut über die Welt ergießt!
Yes he can...ich weiß leider keinen einzigen deutschen Politiker, der solch Sexappeal, Brillianz und Euphorie entfachen könnte ohne Demagoge zu sein. Ich wünsche meiner Heimat Fortschritte diesbezüglich, denn endlich einmal wieder haben die USA eine respektable Messlatte gelegt.

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Deutschland über Alles...

Wohlwissend um die hochbrisante Textzeile, fürchte ich gerade auf Grund meiner Attitüde frei von nationalistischen Tendenzen keinerlei hysterischen Aufschrei, sondern nutze diese drei Worte um meine fehlende Sorge, die große Krise betreffend, einzuleiten.
Ja die Wirtschaft nimmt ein Vollbad im Lavastrom. Einerseits verpuffe instabile Konstrukte andererseits werden Massivbauten angesengelt. Weltweit ächzt die Finanzwelt unter dem unausweichlichen Realitätsabgleich, der insbesondere gut vertuschte Altlasten schwer bestraft. Zu Recht, wie ich finde. Natürlich zwingen die aktuellen Geschehnisse auch hochseriöse Unternehmen in die Knie und verlangen armen Schweinen hohe Opfer ab. Doch meine Sorge ist und bleibt klein. Vor allem auf das europäische Umfeld und insbesonder mit Deutschland im Fokus kann ich die aktuelle Lage nur als bereinigendes Unwetter erahnen. Einem Feuersturm gleich, der einen Urwald dahinmetzelt, werden ehemalige Größen zu Boden gerissen und ganze Landstriche verödet. Allerdings geschieht dies nicht als reine Vernichtungsmaschinerie, sondern mit dem Effekt das zarte Pflänzchen und junge Triebe frischen Humus und viel Sonnenlicht ernten können, um eine völlig neue frische Welt zu erbauen.
Ganz sicher wird ein Land wie Amerika, übelst beschnitten und muss sich von aberwitzigen Machtspielchen verabschieden. Aber wer sonst als das existente Deutschland ist in der Lage, diesem IRrsinn zu trotzen und gestärkt aus diesem Infight hervorzugehen.
Nicht das ich nicht genug Argumente gegen meine Heimat hätte. Nicht das Deutschland allzu oft meinen klaren Verstand beleidigt. Doch zeigt sich trotz aller Kritik, dieses Land als wirklich progressiver Krisengewinnler. Nach zwei selbstverschuldeten Kriegsniederlagen, mit Hilfe von fremdem Kraftfutter ins Wirtschaftswunder getaumelt, trotz wenig fähiger Politkermehrheit und wider einer extrem kostspieligen Wiedervereinigung steht dies Land sauber da. Es soll nichts verherrlicht werden, aber im direkten Vergleich mit anderen westlichen Industrienationen hat Deutschland sich auf einen Sonderrang gespielt. Exportweltmeister oder nur noch zweiter oder dritter Platz ist im globalen Konkurrenzfeld eine achtbare Leistung, gepaart mit einer zwar unterbelichteten Bildung, die dennoch anderorts nur zu gern importiert wird zeugen von einer gewissen Qualität. Ein Hauch Nachdenklichkeit und langanhaltender Mut zur Nachhaltigkeit, hat diverse Weltmarktführer für abstruseste Produkte hervorgebracht. Und schlussendlich sind deutsche Unternehmen seit Beginn der Globalisierung und schon zuvor in die weite Welt aufgebrochen. Jedes noch so verabscheuungswürdige Natiönchen ist irgendwie infiltriert, während parallel keiner an deutscher Dominanz in gewissen Wirtschaftszweigen rütteln mag. Erneuerbare Energien werden (Bewertung ist niemals kritikfrei gemeint!) seit Jahr und Tag wider den Mainstream überfördert und wer erlaubt sich ein öffentlich-rechtliches Fernsehen?
Auf irgendeine Art und Weise ist dieses Land, welches leider genug Idioten hervorbringtt, hart im nehmen, wenn gleich nicht unverletzlich. In jedem Falle, weiß dies Land um tiefe Täler und aufrechten Gang trotz enger Fesseln, auch und gerade aufgrund unserer ehemals so offenen Grenzen.
Das viel kritisierte Multikulti wird uns gerade jetzt den verfetteten Arsch retten und vielleicht endlich wieder die verqueren Auswüchse latent hirnlosem Faschismus entdornen.
Vielmehr noch: Deutschland hat auf globale, aber auch auf extrem lokale heftigste Krisen mit genau der richtigen Solidarität geantwortet und unsere bunte Nation war sich nie näher als wenn das Ende an der Tür klopfte.
Panik? Och nöh....

Montag, 13. Oktober 2008

500 Milliarden - 11 Nullen sind noch keine Fussballmannschaft

In Kürze wird an dieser Stelle ein aufgeräumter Blog auf lesewilliges Volk warten. Nit ein wenig Mühe gibt es dann ein vernünftig sortiertes Tag-System, welches verschiedene Themenbereiche zulässt. Mit Chance bekommt dann ein jeder der paar Leser seine Bedürfnisse gestillt. Ein Tag wird sich einzig allein dem Titelthema widmen, während andere Tags auf tagesaktuelle Themen oder wilde Visionen eingehen. Vielleicht lässt sich so manche Enttäuschung eindämmen und ich muss mich nicht in vier Prallelwelten verhaspeln sondern kann von einem einzigen Podest aus krakelen...

Müde Augen starren auf ein scharfes Monitorbild, der Schlaf vor der Iris ermöglicht nur schemenhaft eine Zahl mit elf Nullen und einer Fünf davor. Meine Synapsen formen den Begriff "Bankenkrise" und versuchen erfolglos "Regierungsmassnahme" darauf zu reimen.
Ein paar größenwahnsinnige fair bezahlte Finanzkasper fahren in Kamikazemanier ihren Überflieger an die Wand, die sich als gigantischer rosa Wattebausch entpuppt. Ein haspelndes Frau Merkel mühsam gestützt von einem listig blinzelnden Steinbrück verkündet Deutschlands Hilfsmaßnahmen, für ein Problem, welche noch vor Wochen gänzlich inexistent war.
Zunächst egal, wenn man sich aber überlegt, dass wir damit eine Summe bereitstellen, die 2/3 der US-Garantien entspricht, bei einem Fünftel der Bevölkerung und offiziell weit weniger riskantem Finanzgebahren, ahnt man wie sehr der Arsch am Grundeis festfriert. Ein jeder Deutscher garantiert also ungefragt mit 6250 Euro für Aktivitäten, die er noch vor Jahren nicht mal wissen konnte oder wollte. Noch vor Jahren, wo ein dezent sympathischer Herr Ackermann mit Victoryzeichen in die Kameras griente.
Ein jeder Besitzer eines deutschen Passes steht also mit 6250 Euro dafür gerade, dass jedermanns Sparguthaben bis 20.000 Euro abgesichert ist. Das wird in erster Linie Lachtränen bei denen ans Tageslicht spülen, die eh verschuldet und mager ausgestattet sind. Zum können sich diejenigen freuen, die mit der wundervollen Abgeltungssteuer Finanzgewinne niemals mehr über 25% versteuern müssen. Gerechtigkeit muss sein.
Lange Zeit war ich meinen Eltern böse, für die fehlenden Windowsaktien von vor zehn Jahren. Selbst die Kritik meines Vaters "Volksaktie Telekom, was für eine dreckige Verarsche..." wollte mir nicht so recht aufgehen...damals um die Jahrtausendwende war doch alles so leicht: Aktie mit technologischem Namen erwerben und morgen Porsce fahren. Ein Glück gab es damals noch 620 D-Mark Jobs und mich als Lakaien, so war meinem Vater ein später Triumpf vergönnt und ich weiß heut, wie ich meine Taler zusammenhalte, sinnvoll vermehre oder bewusst verprasse.
Aber damals war damals, ein süßer Singsang zum Kindergeburtstag. Unser Heute ist wenig fassbar, aber des Experten und Lenkers aktuelle Gesichtsfarbe verheißt nichts Gutes, noch weniger seine Reaktionen. Dennoch ist Angst völlig fehl am Platz: die die haben, wissen wo es steckt...und wer nicht hat: Wann wenn nicht jetzt offensiv mit Gegenwert verschulden?

Sonntag, 12. Oktober 2008

neue Geschäftsfelder, international und sozial verträglich

Es werden mehr Inhalte, das Blogthema betreffend, gefordert. Die Chance nutze ich, um quasi in Echtzeit auf ein neues Spielfeld zu blicken. Ich nenne diese Projekte mal "punktuelle Entwicklungshilfe". Sie sind nicht in erster Linie gemeinnützig und durchaus mit der Absicht geschäftliche Erfolge zu erzielen, ohne dabei allerdings die üblichen Sweatshop-Attitüden zu benutzen. Es wird eine längere Zeit in Anspruch nehmen, bis die ersten Erfolge sichtbar werden, vielleicht weckt ein Livebericht ja Interesse. Mit meinen deutschen Projekten gemeinsam, ist die unkonventionelle Herangehensweise, der eher niedrige Einsatz von Finanzmitteln und der Einbezug anderer Menschen. Vorab eine Bestandsaufnahme, am Beispiel Castara auf Tobago:

Nie zuvor war es mir vergönnt auf ähnlich intensive Art und Weise in fremde Kuturen und Welten einzutauchen, wie auf meiner zehnwöchigen Hochzeitsreise. Auch wenn mir die prekärsten Armutsszenarien der dritten Welt erspart wurden, lassen sich doch auch in der Karibik und in Mittelamerika die Unterschiede zum marktwirtschaftlichen, vermögenden Westen nachvollziehen. Offensichtlich mangelt es an diesen Orten in erster Linie an historisch gewachsener und demokratischer Stabilität sowie einer gerechten Wohlstandsverteilung. Statt intensivierter Bildungspolitik hat sich hier nach der Loslösung von vormaligen Kolonialmächten und ähnlichen Protektoren ein giftiger Nährboden entwickelt. Korruption und Vetternwirtschaft gedeihen ähnlich prächtig, wie Unterbezahlung, Ausbeutung und juristische Willkür.

Trotz dieser widrigen Umstände finden die Fähigsten dennoch Mittel und Wege eigene Märkte zu erschließen, Bildung zu improvisieren und geschäftstüchtig Nischen zu besetzen. Teilweise gerade wegen der misslichen Gesamtsituation. Zweite Chancen sind rar und Nachlässigkeiten werden sofort bestraft. Luxussorgen, wie Gebühren für ein Langzeitstudium, Lehrstellenmangel oder Altersarbeitslosigkeit sind völlig unbekannt (dies ist völlig wertungsfrei zu verstehen).
Ohne große Suche erkennt man diese Menschen sofort und kann mühelos in fruchtbare Konversation eintauchen. Die vielzitierte Order Ché Guevaras "Du hast keine Chance, nutze Sie" findet hier ungewollt und erzwungen ihren ganz eigenen Weg in die Realität. In einer Welt, wo der Schulbesuch bis zum 15.ten Lebensjahr nur selten vollzogen wird - und dann lediglich unter größter Anstrengung was Kosten, Fahrtweg und Verdienstausfall angeht - wird anders agiert. Was in Deutschland nicht einmal als Schattenwirtschaft Berechtigung fände ernährt in zweiter und dritter Welt ganze Großfamilien.
Beispielsweise erledigt der Familienvater mit Teilzeitarbeitsplatz in der Großstadt und zugehörigem Busticket nebenbei Botengänge für den Rest der Dorfgemeinschaft, kauft ein, bringt und holt die Post und transportiert und verkauft Waren Dritter. Oder aber backt die Familie mit dem einzigen zuverlässig funktionierenden Herd sämtliche anderen Teigwaren der Nachbarschaft mit. Der Fischer mit Uralt-Außenborder fungiert als Last-Taxi für die Anwohner und mutige Touristen, handelt logischerweise mit Meerestier, aber repariert auch jeden erdenklichen Motor. Flexibilität und Improvisation ist Alles.
Stundenlöhne oft unter einem Dollar treffen auf behende steigende Lebenserhaltungskosten und zwingen jedermann zum eigenen Nebengewerbe. Dies trägt oft seltsamste Früchte, sorgt nur selten für nachhaltigen Wohlstand und garantiert niemals Platz für große Sprünge. Auf unschuldige Weise funktioniert so ein System dennoch irgendwie, wenngleich eher schlecht als Recht.
Nun preschen gemeinnützige Institutionen aus Wohlstandsländern in diese Universen im Willen Hilfe und Unterstützung zu leisten. Leider sind diese Maßnahmen all zu oft destruktiv oder zum Scheitern verurteilt. Gutgemeinte Armenspeisung wirbelt den lokalen Markt gefährlich durcheinander und sorgt für ein ungesundes Selbstverständnis. Die zuvor vorhandene Autonomie innerhalb eines funktionierenden Leistungssystems wird unterhöhlt und einer fremdbezahlten "Rundumversorgung" geopfert. Zudem durchdringen völlig neue und unsinnige Produkte den Markt. Ein höchst fruchtbares Fleckchen Erde wie Tobago erstickt an importiertem Billigst-Mango-Nektar, während tonnenweise wildgewachsene Mangos am Strassenrand verrotten. Es gibt Tiefkühltruhen voller Nordseekrabben, während der Frischfisch keine Abnehmer mehr findet. Parallel sorgt die ausgebaute aber unbezahlbare Strom- und Frischwasserversorgung für einen Zustrom paradiesverliebter Westler mit großem Taschengeld. Ferienhäuser und -Wohnungen wachsen gen Himmel, auf billigst erstandenem Bauland. Der Vorbesitzer war über den Geldregen natürlich kurzzeitig höchst dankbar. Touristen halten Einzug und mieten sich in idyllischer Athmosphäre ein rundumversorgt von fleißigen und schlecht bezahlten Einheimischen. Das große Geld allerdings versickert in Europa oder den Usa auf Konten der Besitzer und Reiseagenturen, während der Tourist zumindest ein paar Dinge dauerhaft hinterlässt - seinen Dung und Plastikabfälle.

Samstag, 11. Oktober 2008

Haider auf der Überholspur - ein Nachruf

Es ist unsittlich und menschenfeindlich, nach einem tragischen Unglück, Hetze und böse Worte zu verlieren, selbst wenn das Opfer sich üblen Nachruf akribisch erarbeitet hat.

Nicht einmal zwei Wochen nachdem sich Österreich zum wiederholten Mal einen pöbelnden Rechtsaußen samt Partei ins Parlament geholt hat, endet der nationalistische Traum in einem Blechklumpen. Ausgerechnet ein Regelfanatiker und pedantischer Wertepropagandist überschreitet zum Finale das Gesetz und verabschiedet sich mit lautem Knall und überhöhtem Tempo. Die Vermeidung seiner Person auf politischer Bühne hätten selbst seine größten Feinde anders gewünscht.

Beileid für den Verlust von Vater, Ehemann und Sohne gilt der Familie, Österreichs Politik sollte tunlichst einen eleganten Weg finden um das Vakuum rechtsaußen zu füllen. Einen ähnlich charismatischen, demagogischen und populistischen Führer, wird niemand aus dem Hut zaubern und das ist wohl das einzig Positive, was man nach eines Menschen Tod behaupten kann.

Das frühe Ableben, hat Jörg Haider auch um seine Altersweisheit und geläuterte Einsichten gebracht. Auch wird er nie Rechenschaft für sein gefährliches Spiel mit dem Feuer (Vorurteile und Rassismus) ablegen müssen. Möge Österreich seine nachdenklichen Momente nutzen, um sich neu zu besinnen...und vielleicht ihr Bild in der Welt zu korrigieren.

Freitag, 10. Oktober 2008

Bye Bye Lehmann und Konsorten - oder süß schmeckt die Finanzkrise

Vor der Aufarbeitung meiner mehrwöchigen Urlaubserlebnisse und neuen Projekte, will und vielmehr muss ich auf die aktuellen Wirtschaftsturbulenzen Bezug nehmen.

Im Niedriglohnland weilend, wo Menschen bei 0,75 Dollar Stundenlohn ihr leben dennoch ansatzweise bewerkstelligen, nutze ich begeistert, den allerorts vorhandenen Highspeedanschluss zur restwelt. Vornehmlich die westlich zivilisierte dient als üblicher Informationspool. Mit gesteigertem Amüsement nehme ich den prophezeiten Untergang des Abendlandes war. Die Auswüchse können zum Schmunzeln nur anregen. Islamische Staatsfonds decken und erfüllen die Kredite gescheiterter US-Amerikaner, während die bösen Chinesen westliche Staaten oder Banken stabilisieren und Russland als gutmeinender Bürge auftritt. Während ein stolzgeschwelltes US-Amerika noch immer einen Schutzschild aus instabiler Arroganz vor sich her schiebt.

Sämtliche Dienstleistungs- und Industrienationen vereinen sich in hektischer Panik zu einer unkontrollierten Finanzlawine. Und auf einmal kriecht die Wirtschaftselite zu Kreuz. Die einen mit goldener Nase gen Ruhestand serviert, die anderen um Almosen bettelnd, während der durchschnittliche Steuerzahler fassunglos um Atem ringt.

Sollen sie alle an ihrer maßloser Gier ersticken und die westlichen Werte ins Wanken bringen. Ohne die Fahrt an die Wand und temporeichen Bodenkontakt findet eine längst notwendige Säuberung nicht statt. Anlässe zur Besinnung auf Werte und gesteigertes Bewusstsein hätte es auch in jüngster Vergangenheit zur Genüge gegeben. Die zugehörigen Risiken einer Weltwirtschaftskrise und Zusammenbruch der gewohnten Finanzwelt, überleben wir 6 Milliarden Menschen schon. Kastrierte Finanzpotentaten können der Welt nur gut tun. Die Normalbevölkerung hat in jeder Krise Größe bewiesen. Gesteigerte Solidarität und Rückbesinnung auf moralische Werte waren die Folge und für größenwahnsinnige Neofaschisten ist in unseren Zeiten glücklicherweise kein Platz mehr.

Doch ganz ohne Schadenfreude und Horrorphantasien bietet sich der phantastische Moment für sämtliche westlichen Staaten, endlich wieder Herr über ihre Länder zu werden. Das längst veräußerte Tafelsilber liegt zu Spottpreisen in der Warenauslage. Die längst überfällige staatliche Lenkung der Grundbedüfrnisse seines Volkes ist wieder greifbar. Wann wenn nicht jetzt kann die Wasser-, Strom-, Gas- und Verkehrsversorgung wieder in den Staatsbesitz wandern? Und genau der jetzige Moment kann den Staat wieder in eine dominante Rolle auch in der Finanzwelt bringen. Ein wenig Moral, Ethik und selbstreflektive Kompetenz sei einfach mal unterstellt. Die kommerzielle Konkurrenz am freien Markt hat die Messlatte zumindest sehr tief gehängt.

Stabile Staatsgebilde mit gewinnerzielenden Beteiligungen an neuralgischen Schnittstellen, kann nur im Interesse der Allgemeinheit liegen. Auch und vor allem, um die Abhängigkeit von instabilen Staaten wieder zu bändigen. Die Gesellschaft wird befreit aufatmen und die Staatsbetriebe können mangels Personal gar nicht mehr in alten Beamtentrott zurückfallen.

Meine Bewertung der Situation: Ein bereinigendes Gewitter, welches krustige Schichten fortspült. Als Bürger mache ich mir zumindest keinerlei Sorgen...nach den heftigsten Krisen war immer zumindest eine teilweise Gerechtigkeit existent. In diesem Wissen sehne ich noch Lange kein Licht am Tunnelende herbei.

Sonntag, 7. September 2008

Panama City - immobile Schönheitsoperationen

Metropolen liebt die Welt - New York, Paris, Hong Kong, London aber auch Berlin, Prag oder Rio de Janeiro. Jede dieser Städte hat ihre Reize und Vorzüge und immer wieder dringen neue Städte in den elitären Metropolenzirkel ein. Mit Panama City, macht sich ein ernstzunehmender Konkurrent bereit. Wer sich an Berlin vor knapp 20 Jahren erinnert, weiß wie eine Stadt in Progress aussieht und sich anfühlt - eine einzige Baustelle, die immer wieder neue Architektur gebährt. Panama City wiederholt diesen Vorgang, lediglich auf potenzierte Art und Weise. Die Innenstadt wird gerade um knapp 50 neue Wolkenkratzer bereichert, zusätzlich zu den schon vorhandenen Massen. Dieses Areal schmiegt sich direkt an die Küste, mit Blick auf Inseln und den Panamakanal. Die Regierung nutzt diesen Moment, um einen gigantischen Prachtboulevard direkt an der Küstenlinie zu installieren, welcher diese hochmoderne Innenstadt mit historischem Stadtgebiet verbindet. Europäische Großstädte würden sich um diesen Altstadtkern reissen. Aktuell noch in einem erbrämlichen Zustand (quasi abbruchreif), zeigt sich hier das wahre Potential der Stadt. Koloniale Prachtbauten in kleinen Gassen, mit Meerblick und nur zehn Minuten Fussweg entfernt vom Stadtzentrum oder in der anderen Richtung vom Regenwald. Wenn sowohl Donald Trump, als auch die Unesco an einem Strang ziehen und Milliarden in eine Region pumpen, scheint es sich wohl wirklich um einen verschmutzten Rohdiamanten zu handeln. Ein umfangreicher Fussmarsch durch diese lateinamerikanische Großstadt, wird mit beklommenen Gefühlen begonnen, umfangreicher Literatur sei Dank. Und auf einmal blickt man gebannt in entspannte oder lächelnde Gesichter und wundert sich, seltener von der Seite angesprochen zu werden, als in München Schwabing. Der Besuch einer der großen Shopping-Malls erklärt den Rest. Eine Stadt, die zwei Flagshipstores von Puma beheimatet, muss prosperierend sein. Armani, Versace, Gucci, Oakley, Rolex, Svarowski...hier reihen sich Läden aneinander, die mein Budget sprengen und die man in Deutschland selten nebeneinander findet. Die Strassen strotzen von Cayenne und Touareg und anderen SUV´s ... Armut sieht anders aus, ist aber auch zu finden: Es gibt sie die Regionen ganz unten. Plattenbau trifft Wellblechhütte und sämtliche Reiseführer verweisen auf großzügige Meidung dieser Regionen. Ein Blick in die Geschichte bringt Erklärung. Der Panamakanal und große Plantagen brauchten massenweise Körperkraft, auch importierte und Menschen brauchen Betten. Arme Menschen brauchen viele Betten in wenig Raum. Die USA und ein korrupter Armutsstaat mit gemeinsamen Zielen finden die passende Lösung, welche noch immer nicht aufgearbeitet ist. Die Brachialgewalt und Geldmasse mit der die Stadtentwicklung und Gentrification vorangetrieben wird, wird neue Fakten schaffen.
Die Sanierungsmassnahmen und die Tourismuszunahme bleibt nicht ohne Arbeitsplatzzuwachs. Auch zweite Welt Staaten haben gelernt, das abgerissene Wellblechhütten durch feste Wohnsitze ersetzt werden müssen. Das wird passieren und in zehn Jahren will ich wieder hier sein in dieser atemberaubenden Stadt.

Mittwoch, 3. September 2008

Curacao ein Eiland mit Perspektive

Um das Alphabet zu komplettieren, muss nach Aruba und Bonaire in jedem Fall Curacao folgen. Subjektiv als größte bzw. bevökertste der drei Inseln empfunden. Auf einmal wieder Stadtgefühl, samt Stickigkeit, Lärmpegel, Dreck und Aggression. Die holländische Vergangenheit ist spürbar und im Stadtbild mehr als erkennbar ... die letzten Dekaden wurde kolonialer Altbau allerdings nicht wertgeschätzt, so dass sich in Willemstad etliche mondäne Ruinen aneinanderreihen. Doch die Regierung samt Bevölkerung erkennt das vergangene Fehlverhalten und beginnt mit Liebe zum Detail, den alten Glanz in die Stadt zu restaurieren. Offensichtlich wird dies noch einige Zeit dauern.
Mit der Insel konnte ich nicht wirklich warm werden. Nach den spärlichen Stränden auf Bonaire, realisiert man sandigen Wasserzugang natürlich wohlwollend, aber irgendetwas fehlt. Das Eiland scheint noch nicht wieder reif, sondern pubertiert gerade erst vor sich hin - mitsamt allem üblichen Mut zur Häßlichkeit und Krawall. Das Potential ist zu erahnen, aber versteckt sich noch erfolgreich.
Diese Wandeljahre nutzen vornehmlich holländische Touristen, um Hochkultur wie Hardcoretechno, Heineken und europäischen TV-Fussball zu etablieren. Glücklicherweise nicht sonderlich erfolgreich.
Curacao scheint seinen möglichen Niedergang vor zehn bis zwanzig Jahren erfolgreich umschifft zu haben. Die drastische Arbeitslosigkeit und heftige Armut ist gewichen, aber dennoch ist gerade in den Vororten eine Art aggressive Depression zu spüren. Hierbei ist nicht von dritte Welt Ghettos die Rede, aber von pöbelnder Unzufriedenheit. Die Insel hat noch einige Hausaufgaben zu erledigen.
Völlig unverständlich erscheint mir der laxe Umgang mit den naturgegebenen Landschaftsschönheiten. Umweltschutz ist nach wie vor keine Selbstverständlichkeit. Ich ahne, dass ich entweder 100 Jahre zu spät oder 25 Jahre zu früh zu Besuch kam - Liebe auf den ersten Blick sieht anders aus.

Samstag, 30. August 2008

Bonaire ... auf der anderen Seite der Welt unter Wasser...















Ich brauch weniger Menschen um mich und mehr aufrichtige Freundlichkeit, mein Gepäck wird in das kleinste auftreibbare Flugzeug gezwängt und knatternd erobern wir Bonaires Landebähnchen auf einem Flughafen groß wie ein Busbahnhof. Die pinke Farbe passt zum Namen Flamigo Airport und schon beim einchecken spannt meine Wangenmuskulatur. Grenzdebil grinse ich die freundlichen Zollbeamten an und registriere erstaunt, wie jedermann den anderen freundlich grüßt. Es wirkt völlig ehrlich, zwangfrei und ohne große Gestik und Mimik...ein angedeutetes Lächeln und zartes Nicken, beide wissen Bescheid. Das liegt mir, selbst zweirädrig im Strassenverkehr scheint man trotz Schotterpiste über rosa Wattebäuschen zu schweben. Das ist genau meine Mentalität. Auf dieser Insel halten sich dauerhaft nur 15.000 Einwohner auf und wirklich schlecht scheint es niemandem zu gehen. Die Erdgeschichte tat ihr übriges, als sie vor etlichen Jahren dieses Atoll aus ihrem Schoss presste und ihm einen paradiesischen Feinschliff gönnte. Bonaire ist strandarm, aber das Wasser wirkt allerorts wie der Photoshopfilter für perfekte Urlaubsfotos. Schon vom Ufer aus lässt sich eine schillerndbunte Unterwasserwelt bestaunen - doch gleitet man bebrillt in die Fluten platz man vor Freude, ob so vieler Farben, Fische und Flossengezappel. Auf der ganzen Insel sorgt die Natur und geologische Gegebenheit für ein positives Grundrauschen, welches sich als absolutes Stille in den Gehörgang pflanzt. Erst im Schlaf kommen die Mundwinkel dazu sich etwas zu entspannen, während man all die überwältigenden Sinneseindrücke verarbeitet und mental völlig neue Schubladen schreinern muss um sie zu verstauen. Ich mag Kontinentalküche und Meeresfrucht gepaart mit lokaler Finesse...ich mag die Küche von Bonaire. Den Tag lang verbringe ich damit, Kalorien auf meiner Zunge tanzen zu lassen . Während ich unter schattigen Palmendächern sitze, wabern Lichtreflexe über mein Gesicht...Sonnenstrahlen die das Meer zurückschleudert. Wohlsein bedarf keiner Adjektive, sondern einem karibischem Sonnenuntergang, während man im Wasser steht und von den Wellen geschaukelt wird und seine Liebste küsst.

Freitag, 29. August 2008

Hilfe die Amis kommen ... oder wie mach ich aus dem Paradies ein Disneyland (Aruba)

Meine Reise trägt mich weiter, die Karibik zu groß, die Flieger zu klein, um nur an einem Ort zu verweilen. So falle ich aus dem klimatisierten Propellermaschinchen auf die staubige Landebahn Arubas, dabei ein Gemisch aus trockener Wüstenluft, Kerosin und verbranntem Gummi inhalierend.
Mein schüchternes kleines Domizil liegt abgelegen, doch mein Fahrer lässt mich die Hölle passieren. Mallorca-Bettenburgen in gehobenerem Ambiente und tausende grölende amerikanische Pauschaltouristen. Während ich das Würgen unterdrücke flankiert uns das mittlerweile zehnte Casino, der zweite Golfplatz und die Strasse ist SUV-verstopft.

Die Vorwürfe des Neoimperialismus perlen an den USA ab, wiegen im Vergleich zum Conqueror-Tourismus aber umso angebrachter. Dieses Atoll wurde einverleibt. Es gibt pappige Tacos, schlechte Musik, Plastikcocktails und viel zu dicke Frauen in viel zu greller Badekleidung. Vor lauter Weggucken schmerzt mein Hals wie bei der Paarung von Mumps und Angina, als mich ein Fernsehserien-Beau anspricht. Sein Zahnpastalächeln sorgt für Blendenflecke auf meinen Augen. Ob ich hinter einem Boot am Fallschirm gleiten oder Jetski fahren möchte...
Auf meiner Flucht, drapiere ich den hochgewürgten Cocktail samt Mexikofrass im Springbrunnen vorm Marriott und danke einer höheren Macht ohne US-Pass geboren zu sein und nicht auf dem falschen Eiland zu hausen. Man nehme alles widerwärtige dieser überdimensionalen Minigolfplätze und Disneyland und prügel diese Architektur inmitten einer kitschigen Naturschönheit, feinjustiere den Lärmpegel auf Krawall und findet sich an der beliebtesten Strandpromenade Arubas...
Auf diesen Schock hin legte mich ein Grippchen erstmal flach, so dass ich die nächsten drei Tage vor US-Fernsehserien im Bett verbrachte...Danach endlich tastete ich mich mit eigenem Gefährt über dreckige Geröllstrassen in verstecktere Gefilde hervor. Und glücklicherweise hat sich Aruba dort noch allen Charme bewahrt. Wundervolle Optik aus Lavagestein und Korallenstein, schneeweoße einsame Strände und bizzare Klippen mit einem wundervoll türkisen Meer...mit dem breitesten Grinsen kuschelte ich mich in das Katalogfoto und sog all die Ruhe in mich hinein. My happy place.




Samstag, 23. August 2008

Nur kein Neid...ich bin im Paradies

Cornelius bereist im Sommer 2008 Schwellenländer, vornehmlich in Insellage, tropisch und von prekärer Armut verschont. Während diese Zeilen ihren Weg auf den Monitor finden, bildet sich auf der Tastatur eine klebrige Patina, aus Salzwasserbrise, Sonnenschein und Sandverwehung. Meine eigene Patina ließe sich als sonnengegerbte Nordeuropäerhaut mit salzigen Überbleibseln verdunsteten Schweiß beschreiben. Meine spärliche-sommerliche Kleidung saugt sich voll mit meinem Schweiß, tropischen Regengüssen, klammer Klimaindikation und dem absoluten Glück. Natürlich kann man sich als halbwegs solventer Erstweltler, ein paar sorgenfreie Urlaubswochen in exotischer Ferne verschaffen. Die Kunst besteht jedoch darin, sich nicht parasitär eine fremde Welt Untertan zu machen, sondern als Teil von ihr parallel zu existieren, unbekannte Kultur zu erkennen und sich spielerisch einzubringen. Castara auf Tobago ist für mich einer dieser Orte, die dem selbstgemalten Paradies noch am ehesten entsprechen können. Vom Tourismus nur touchiert, aber doch authentisch wachsend und voll von stolzen Bewohnern, bieten sich hier Einblicke in eine gänzlich andere Welt. Fruchtbarkeit springt einem ins Gesicht, überall wächst, kraucht und gedeiht Flora wie Fauna...glücklicherweise in Gänze ungiftig und zumeist wohlriechend und kalorienreich. Englische Besitzer haben meine gemietete Residenz mit viel Feingefühl erbaut und beschäftigen zahlreiche Einheimische. Leider haben sie es in den immerhin 10 Jahren nie vermocht, den Status eines Fremdkörpers zu verlassen. Nach langer Historie, mit Sklaverei, Kolonialismus, Ausbeutung und ähnlichem Grauen, vernichtet weiße Hautfarbe gepaart mit minimalem Hauch Überheblichkeit jeglichen Ruf. Umso erstaunlicher, da sich die Bewohner dieses Küstenidylls als überaus interessiert und wohlwollend herausstellen. Zu Recht verlangen sie allerdings einen minimalen Grundrespekt und Achtung eigener Traditionen und Routinen. Nichts leichter als das, vor allem, wenn die Hürden verwaltbar angeordnet sind. Da lande ich in einem Dorf mit 400 Einwohnern, die gemeinsam offensichtlich weit unter meinen Umsätzen generieren und kaum zählbares Eigentum aufzuweisen können. Dennoch lassen meine Empfindungen keinerlei Hochmut zu, vielmehr versuche ich zu begreifen, welcherart Glück die Menschen überhäuft. Trotz finanzieller und materieller Engpässe herrscht kaum Unmut, Neid oder Leid. Trotz spürbarer Unterschiede, den Besitz betreffend, fühle ich mich zu keinem Moment ausgegrenzt oder argwöhnisch beobachtet. Es ist so erschreckend leicht, Teil der Gemeinschaft zu werden und an Gemeinschaftsaktivitäten teilzuhaben, ohne das irgendetwas erwartet wird. Andere, zumeist tumbere und naivere Touristen, verschaffen sich vor Ort in Kürze große Antipathien...Einzig auf Grund von Verhaltensmustern. Wertfrei kann ich mir in allererster Linie, absolutes Interesse am Menschen, am Gegenüber unterstellen. Wie leben Menschen und warum? Was bewegt sie und welche Träume und Ziele haben sie oder eben gerade nicht? Auf einmal erwächst aus zunächst oberflächlichem Smalltalk, kollegiale Unterhaltung und gegenseitige Neugier. Es zeigt sich auf so ernüchternde Art und Weise: Mensch ist Mensch - egal wo!