Mittwoch, 2. September 2009

NDR trifft social media - Exitpolls sind schuld



Nachdem kongenialen Helge Schneider Konzert am Samstag, besuchte mich die reale Welt in meinem Email-Postfach. Post von einer jungen Redakteurin des NDR, genauer von der Sendung Zapp. Grund für ihre Zeilen, war ein nachmittäglicher Tweet aus meiner Hüfte:

"inoff. #Exitpoll #Saarland aufgetaucht: #CDU 31,2%, #SPD 29,1%, #Linke 19,1%, #FDP 7,5%, #Grüne 7,1%, #Piraten 4,8%, #Stg 1,1%"

Der ging um ca. 15 Uhr über den Schirm, weit vor jeglicher illegalen Wahlprognose und gänzlich frei erfunden. So finden sich starke Piraten kurz vor der Fünfprozenthürde, ohne je angetreten zu sein. Weiterhin beginnt der Tweet mit "inoff." - sprich einem Hinweis auf meinen glorreichen Erfindungsreichtum. Als einer der ersten, der das heikle Thema "Exitpolls" aufgriff, folgten RT´s, Replies und DM´s, welch geheime Quelle ich angezapft habe - und eben besagte Mail aus dem öffentlichen Rundfunk.

Ob ich für ein Interview zur Verfügung stünde und bereit wäre Fragen vor der Kamera zu beantworten. Dieser Apell an meine telegene Eitelkeit wirkte Wundern, natürlich sagte ich zu. Bin zwar nur ein kleines Licht im Zwitscherwald, aber alles für die Schau nehm ich gerne mit. Also ab zum Piratenstammtisch im Waagenbau, Wahlplakate zu Dekozweck entführen, Haare rasieren und doch gegen einen Sascha Lobo Irokesenschnitt entscheiden (das wäre doch eine Spur zu albern).

Heute morgen um zehn dann zwei Stunden Moviestar-Feeling umringt von einem Kamerateam und Jasmin K. als freundlicher Gesprächspartner. Das Plakat der Piratenpartei leider nie im Bild, wohl aber der Name im Interview platziert. Glücklicherweise mussten noch athmosphärische Aufnahmen entstehen. Dabei meine inkompetente Bearbeitung der Tastatur beim Live-Getwitter ... So konnte ich zumindest via Tweet die Freibeuter
auf dem Monitor platzieren.

Kern des Interviews, war ein kritischer Blick auf die Medienhysterie um das Thema Exitpolls und Twitter im allgemeinen und Herrn Radebeul von der CDU im Besonderen. Dieser werte Jungpolitiker ließ es sich nicht nehmen, dass sein Twitteraccount schon vor 18 Uhr die Wahlprognose veröffentlichte. Die Zeiten sind schnell und der Wahlleiter schon seit Wochen nervös - müssen Wahlbefragungen etwa verboten werden?

An mir ging einfach kein begnadeter Moderator verloren und so stammel ich mich loboesk durchs Interview und twitter mir einen. Nette Abwechslung im Büroalltag und klassische Medien als Gesprächspartner - insofern hat es sich gelohnt. Mehr jedenfalls als eine 50.000 Euro Rechnung vom Wahlleiter.

Heute abend um 23 Uhr gibt es mich nun als Bewegtbild im NDR in der Sendung Zapp und ab morgen wohl auch ungekürzt online. Eins sei gesagt: Nicht alle Menschen hinter den klassischen Medien glänzen mit mangelnder Medienkompetenz und Web 2.0 Unfähigkeit - Twitter widerum wächst mir zwar ans Herz und ist dennoch nicht die Weisheit der Welt.

Ich hoffe sehr noch einmal interviewed zu werden, weil meine Prognose in der Realität eintritt:
DIE PIRATENPARTEI ZIEHT KNAPP IN DEN BUNDESTAG! Ich hoffe ich brachte sie wenigstens in den öffentlichen Rundfunk.

Kommentare:

funkygog hat gesagt…

und bist Du nächste Woche bei RTL Akte 09?
Thema: "Wähler geschockt - So werden Sie im Internet kaltblütig mit falschen Informationen hintergangen - Akte 09 deckt auf"

Cornelius H. hat gesagt…

So viel Interesse haben die Medien noch nicht an meiner Wenigkeit. Leider ;)