Mittwoch, 20. Mai 2009

Die Initiative Vermögender für eine Vermögensabgabe und mehr...

Innerhalb zweier Tage zolle ich dem "Appell für eine Vermögensabgabe" samt seinen Initiatoren erneut Respekt. Der Grund ist leicht benannt: 23 Motivierte sind zu wenig und sollen gern vorab mit Ruhm bekleckert werden. Leider ergießt sich eher Häme über die Idee. Vorwürfe Augenwischerei zu betreiben, werden laut. Zu Unrecht, wie ich finde. Einige der Mitstreiter sind durchaus Wiederholungstäter, andere wiederum betreiben dezentes Understatement, wenn sie sich an anderer Stelle dem Gemeinnutz verschreiben. Ich anerkenne dankbar, dass diese Thematik verbohrten linken Aktivisten und Stammtischlern entzogen wird und eine neue Stoßrichtung bekommt.

Erschreckend der Vorwurf von Kommunismus und zusätzliche Neiddebatte ("faule Hartz IV´ler sollen sauer verdientes Geld bekommen"). Die Idee ist so neu nicht, in Deutschland in Vergangenheit praktiziert. Ein Blick in wirtschaftsliberale Nationen, insbesondere die USA und England, zeigt: Das System taugt der sozialen Gerechtigkeit auch im freien Kapitalismus ein wenig Genüge zu tun. Niemand missgönnt der Oberschicht ihre Reichtümer, sollte der Staat demgegenüber ein wenig Verantwortungsbewusstsein und Solidarität abverlangen, ist dies mehr als begrüßenswert. Solidarität ist keine Einbahnstrasse und eine stabile gerechte Nation kleckert auch nach oben, wie unten.

Meinen vollen Support und regelmäßige Beiträge hat sich diese Vision in jedem Fall verdient.

Kommentare:

Peter hat gesagt…

Nichts und niemand hindert diese Herrschaften daran, sich freiwillig zu engagieren und Teile ihres (ererbten) Vermögens beispielsweise zu stiften. Aber die Forderung zu einer Zwangsabgabe bleibt eine Forderung nach einer Zwangsabgabe - egal, von wem sie kommt.

Cornelius H. hat gesagt…

Zwangsabgabe ist die einzige Chance einem etablierten Egoismus gegenzuwirken.
Im Übrigen nur eine Umsetzung des Grundgesetzes und fairer Ausgleich. Könnte mich jetzt in Details vergehen, doch ahne ich das kaum ein Konsens zu erzielen wäre.

Peter hat gesagt…

@Cornelius H.:

"Zwangsabgabe ist die einzige Chance einem etablierten Egoismus gegenzuwirken."

Klar, der Zweck heiligt die Mittel, nicht wahr? Solange wir uns einig sind, dass es genau darum geht - nämlich jemandem einen Teil seines rechtmäßigen Eigentums mit Zwang wegzunehmen - sind wir uns ja wenigstens einig, dass es hier nichts zu beschönigen gibt.

"Im Übrigen nur eine Umsetzung des Grundgesetzes und fairer Ausgleich."

Oh, das Grundgesetz! Na, wenn's da drinsteht, wird's schon richtig sein, nicht wahr? Und was heisst hier "fairer Ausgleich"? Wer definiert das? Wer hat das RECHT dazu?

"Könnte mich jetzt in Details vergehen, doch ahne ich das kaum ein Konsens zu erzielen wäre."

In der Tat. Aber im Zweifel funktioniert ja die (Teil-)Enteignung durch Steuern und Abgaben sowieso auch ohne Konsens und Zustimmung der Betroffenen.

Cornelius H. hat gesagt…

@Peter:
a. Mäzentum, soziale Verantwortung, gesellschaftliches Engagement hat in Deutschland die letzten Dekaden sehr gelitten. Das war nicht immer so und ist in anderen Ländern gute Sitte.
b. "Zwangsabgabe" klingt böser als sie ist. Ein Großteil der westlichen Nationen (ganz sicher eher wirtschaftsliberale Länder) haben spürbare Steuerelemente, um auch die Oberschicht in die Pflicht zu nehmen.
c. Leider ist es Gang und Gäbe, mit fähigem Dienstleister seinen Kontostand und sein Einkommen derart abzusenken, dass zumindest die Grauzone der Steuerhinterziehung erreicht ist.
d. Wer definiert "rechtmäßiges" Eigentum? Signifikante Anteile des Großkapitals wurden auf historisch fragwürdigem, moralisch bedenlichem oder zumindest staatlich subventionierten Wege angehäuft. Immer aber von Nutznießern eines stabilen demokratischen Rechtsstaats.
e. Mangels einer echten Verfassung bleibt mir das Grundgesetz als wichtigste und zur Zeit bestmögliche Rechtsgrundlage. Ich stehe hinterm Grundgesetz.
f. Tatsächlich säge ich mit meinen Aussagen am eigenen Ast, wobei ich mir meine Vorwürfe selbst nicht verdiene. Ich handle unternehmerisch und dennoch im weitesten Sinne eher zum Wohl unserer Gesellschaft.
g. Die Geschichte lehrt, dass der Abstand zwischen ganz oben und ganz unten tunlichst begrenzt werden sollte, da ansonsten brutale Verwerfungen für eine Kurskorrektur sorgen. Verwerfungen, die manch Reichtum gänzlich annulierten oder gar den Kopf kosteten.