Freitag, 9. Januar 2009

Obama hat es vorgemacht, Wahlen gewinnt man im Web - die SPD wagt eine Karikatur

Autsch, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands betritt dünnes Eis. Angefixt vom Triumpfzug eines Barack Obama, sehnt sich auch die SPD an die Sonnenseite des Internet. Nach meinem SPD-Einwurf im März letzten Jahres, sehe ich mich quasi gezwungen der Sozialdemokratie einen eigenen Beitrag zu widmen.
Was soll das SPD? Es steht mir fern für euren Relaunch, die Agentur a-b-face2net (grandioser Name im Übrigen) zu kritisieren. Die Zielrichtung und -setzung bestimmt mit üblicher Beratungsresistenz der zahlende Kunde, in diesem Fall also die parteieigenen Marketingexperten. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bemüht wurde ein innovatives und zeitgemäßes Design und Web2.0-Optik umgangen, wahrscheinlich um auch die Silversurfer nicht zu verschrecken. Der Sexappeal der neuen Killeraplikation gleicht dem eines Schülerbandwettbewerbes der Hamburger Sparkasse und die Farbgebung liegt in einer gemütlichen Farbwelt zwischen Marinehafen und Ruhrpott.
Schäfer Gümbel macht es vor, die Politik muss ins Netz. Schröders vielzitierte Datenautobahn ist endlich reif. Reif genug, dass sich eine SPD voller Strahlkraft herablässt auch digital einen Schritt auf potentielle Wähler zuzugehen. Nur werden diese jenseits von Klassensprechern und Jusos erschreckt das Weite suchen.
Obamas Stärke war und ist, fehlende Fachkompetenz mit externen Spitzenleuten zu kompensieren und somit für jedes Medium die optimale Wertschöpfung mit fesselnder Außenwirkung zu kombinieren. Über allem schwebt das Charisma des künftigen US-Präsidenten. Die verstolperte Interpretation für die sozialdemokratische Volkspartei ist leicht seziert. Ganz in Tradition einer hierarchischen Parteienstruktur, bei zeitgleicher Überalterung (siehe Ochsentour) wird zwar begriffen, dass da etwas geht, nur leider nicht was genau. So machen sich verknöcherte Genossen daran ein mundgerechtes Konzept einzufordern und bekommen mit SPD.de ein würdiges Ergebnis serviert - ein lautes schrill schepperndes Megafon als Dialoginstrument. Interaktion, kritische Auseinandersetzung und freiwilliger Support, wie im US-Wahlkampf wird nicht nur mangels Kandidaten mit Obama-Strahkraft unterbunden. Nein, eine Augenhöhe mit der Bevölkerung und vermeintlichen Wählern ist nicht gewünscht. Instrumente des Web 2.0, wie FlickR, Facebook und Twitter werden zur Pressemappe und PR-Werkzeug missbraucht und lassen den gewünschten Effekt verpuffen. Die Parteigranden jedoch ahnen: Wir sind nun vorn mit dabei. Sorgen haben müssen sie nicht: Wer einmal Merkels bemühte Podcasts ertragen musste, weiß um fehlende Konkurrenz auf deutschen Partei-Websites.

Liebe SPD, das Internet ist eine Chance...eine Chance Ideen und Visionen zu kreieren, zu vermitteln, zu hinterfragen, dem Volk aufs Maul zu schauen und sich einer Diskussion zu stellen und dabei ernstgenommen zu werden. Die User wünschen Dialog und keine Infohappen unreflektierter Pressearbeit.
Liebe SPD, Interaktion bedingt auch Reaktion. Wenn euch ein interessierter Unterstützer, Wähler und Kommunikator anschreibt reagiert dieser enttäuscht, wenn lediglich eine automatisierte Antwort zurückkehrt. Wenn nicht mal eine Sekretärin Zeit findet, mehr als den aktuellen Newsletter zu senden, macht ihr euch nur unbeliebt.
Liebe SPD, ich bin wahrlich ein unwichtiger Zeitgenosse, meine Leserschaft ist beschaulich und für große Politik fehlt mir die Zeit, ABER ich wage mich wider besseren Wissens euch mehrfach zu mailen, über euch zu posten, in eurem Forum anzumelden etc. Der Response ist nicht schüchtern, er bleibt aus.
Liebe SPD, Mitgliederschwund hat seine Ursache. Es ist nicht mehr die absolute Erfüllung, sich mittels Parteispende und politisiertem Palaver im Bezirk für seine Partei zu engagieren. Die Zeit erfordert neue Wege...fragt die richtigen Leute. Mit hoher Wahrscheinlichkeit kann eure Agentur euch dazu Antworten liefern, WENN ihr sie nur lasst.

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